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Frau Käßmann und die Ökumene

Vielen scheint es, als wäre die EKD der Ökumene mehr zugetan als die katholische Kirche in Deutschland. Gut, man muß da ein paar Details ausblenden, aber hey, verwirr mich doch bitte nicht mit Fakten, oder?

Frau Käßmann antwortete dann auch auf die Frage, was sie für Erwartungen hinsichtlich der Ökumene an Papst Benedikt habe damit, daß sie von ihm nichts erwarte. Gut, schön daß sie da so ehrlich war, aber ein bißchen unverschämt finde ich das ausgerechnet diesem Mann gegenüber schon.

Ok, dann ist da also Frau Käßmann auf dem ökumenischen Kirchentag. Und darf in einer katholischen Kirche sprechen. Ich glaube, es war sogar eine Predigt.

Und jetzt kommt der Affront. Sie steht da also in einer katholischen Kirche, mit einem Marienpatrozinium (Liebfrauendom, nebenbei war das genau der Dom, in der Joseph Ratzinger 1977 zum Erzbischof von München und Freising geweiht wurde…), im Mai,  also dem Monat, der besonders der Verehrung der Gottesmutter gewidmet ist, und erzählt was von der Pille als Gottesgeschenk.

Das ist nicht nur ein kleiner Affront.

Sie weiß, wie die katholische Position zur Pille ist (und ich bin mir irgendwie sicher, daß auch die diversen protestantischen kirchlichen Gemeinschaften irgendwann mal was gegen Verhütung, Abtreibung und vorehelichen Sex hatten. Lang, lang ists her…aber dadurch ist es nicht weniger wahr).  Sie kennt mit Sicherheit auch, wie das lt. Bibel damals war, bei Maria…da kam ein Engel, und fragte, und sie sagte ihr fiat, Lk 1,38:  Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast…und sie empfing vom Heiligen Geist.

Und hier postuliert Frau Käßmann die technisch gesteuerte Empfängnis. Nicht mehr „mir geschehe nach deinem Wort“ (um mal eine sprachlich buntere Übersetzung zu verwenden), sondern mir geschehe, was ich will, wann ich will, wie ich will. Nota bene: Gott hat sie nicht gezwungen, Er hat Maria gefragt. Maria hat sich angehört, was Gott will, und hat dann zugestimmt, Seinem Willen bzw Plan zu folgen.  Das, was Frau Käßmann postuliert läuft aber auf ein „mir doch egal, was Gott will“ hinaus. Irgendwie erinnert mich das an diese alte Geschichte, mit dem Garten und der Schlange…was war da doch gleich?

Mal ganz davon abgesehen, daß auch von der katholischen Position zur Pille abgesehen es höchst problematisch ist, die Pille als Geschenk Gottes zu sehen, und ich gestehe, daß ich das durchaus aus eigener Anschauung sagen kann, zumindestens was einige Aspekte angeht. Welche genau verrat ich nicht, geht niemanden was an.

Sie hat massive Nebenwirkungen, Gewichtszunahme ist da noch das harmloseste. Kann auch gerne mal Richtung totaler Libidoverlust, Antriebslosigkeit, Depressionen gehen. Totaler Libidoverlust? Ja, super, die Frau kann dann zwar theoretisch immer, ohne das sie eine Schwangerschaft riskiert, sie will bloß leider nicht. Sie soll aber immer wollen.

Heutige Pillen sind meist extrem niedrig dosiert. Das steigert das Risiko von „Unfällen“. Unfall kann heißen: es kommt zu einem Eisprung und Befruchtung, und die Nidationshemmung verhindert dann eine Schwangerschaft. Sprich: Frühabtreibung. Oder die Nidationshemmung versagt, und es kommt zu einer Schwangerschaft. In meinem näheren Umfeld weiß ich von einem Kind, das exakt so „zustande gekommen ist“- und Gott sei Dank hat die Mutter sich dafür entschieden, das Kind zu bekommen. Wird im Herbst eingeschult. In vielen anderen Fällen wird dann allerdings abgetrieben. Wer Englisch/Amerikanisch versteht, möge sich mal bitte diesen kurzen Trailer anschauen. Wenn das, was da am Anfang gesagt wird, auch nur ansatzweise stimmt, dann sind ein paar Leute noch böser, als ich ohnehin dachte.

Wer das nicht versteht:  ganz am Anfang ist eine Frau zu sehen, die früher für Planned Parenthood gearbeitet hat. Lt ihrer Aussage hat Planned Parenthood, um mehr Abtreibungen zu verkaufen einen Plan entwickelt: Mädchen die natürliche Scheu sexuellen Dingen gegenüber nehmen, von der Familie und ihren Werten entfremden, zu ihren „Sex-Experten“ und Ansprechpartnern werden, entsprechende Kurse und Unterrichtsangebote (sex education), niedrig dosierte Pillen verschreiben die leicht mal versagen, gerade wenn ein schusseliger Teen die ab und zu mal vergisst, und ihnen dann Abtreibungen anbieten. Mit dem Ziel, von jedem 13-19 jährigen Mädchen mehrere (!) Abtreibungen zu bekommen. Ganz ehrlich? Das sind nicht die bösen Amis. So ganz wesentlich anders läufts hier doch auch nicht. Wobei bei uns vielleicht weniger der finanzielle Aspekt und mehr eine ideologische Komponente im Vordergrund steht. Dem Kind, das abgetrieben wird, ist es aber vermutlich egal, ob es im Rahmen von Gewinnsucht oder im Rahmen einer komischen feministischen Agenda abgetrieben wird…

So. Die Pille hat also massive gesundheitliche (ach ja, von teils tödlichen Thrombosen bei 14 jährigen hab ich ja noch gar nix gesagt) und psychische Auswirkungen, greift massivst in Beziehungen/ das Verhältnis von einem Mann zu einer Frau ein (egal ob verheiratet oder nicht, die Mechanismen nehmen sich da glaub ich nix), wiegt Frauen in falscher Sicherheit- und, seien wir mal ehrlich, sorgt auch für ein wesentlich enthemmteres Sexualleben, mit allen negativen gesellschaftlichen, gesundheitlichen und psychischen Folgen. Manche nennen das sexuelle Befreiung. Es mag Leute geben, die damit scheinbar gut zu Rande kommen. Andere macht es krank. Ich halte Depressionen für eine letztlich gesunde Reaktion darauf, daß man geliebt werden will und lieben will und es dann aber in der Realität immer um Sex geht. Dann gibts da noch die demographische Entwicklung, und ja, auch die hat was mit der Pille zu tun (heißt ja auch „Pillenknick“)

Und das ist jetzt also ein Gottesgeschenk?

Nee, Frau Käßmann, wenn, dann ist das ein Geschenk von jemand ganz anderem.

Und wenn sie schon diese schwachsinnige Behauptung tätigt- wieso dann in diesem Umfeld? Sie ist nicht dumm. Sie weiß, was für eine Provokation das ist. So viel zum Thema Ökumene.

Der relevante Abschnitt, leider nur mit nem Foto von Frau Käßmann, das offenbar aus der Advents- oder Weihnachtszeit stammt (Herrnhuter Stern im Hintergrund), kommt hier:

Vielleicht kann ihr jemand ja mal die Theologie des Leibes erklären, dann würde sie vielleicht beginnen zu ahnen, wieso das kein Gottesgeschenk sein KANN.

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WTF???

Menno, manchmal beneide ich die Amerikaner wirklich um ihre kurzen, knappen, völlig eindeutigen Möglichkeiten, entsetztes Erstaunen auszudrücken, auch wenn das böse f-word vorkommt. Für den Fall daß hier noch korrumpierbare Leute mitlesen hab ich beschlossen, es nicht aufzulösen. Wer nicht weiß, wofür wtf steht, möge es nicht googeln, sondern sich seine linguistische Unschuld bewahren.

So. Was war denn jetzt eigentlich los? Nichts weiter, nur war ich heute früh, wie des öfteren, bei einer Vorlesung im Rahmen meines Studiums. Das Thema der Vorlesung ist sehr interessant, der Dozent ist zwar immer völlig anderer Meinung als ich und hat ein paar komische Ansichten,  macht seine Sache aber ganz gut. Heute wurde er vertreten, von einem Mann, der, wie mir eine Kommilitonin erklärte, ebenfalls Priester sei und eben auch Dozent. Es ging um den deutschen Katholizismus im Vormärz, naja, und dann im Schweinsgallopp bis kurz vors I. Vatikanische Konzil.

Der Dozent ließ erst durchblicken, daß er dem Deutschkatholizismus Ronges durchaus positives abgewinnen könne (alles so schön liberal hier…ächz). Dann gings um die Entstehung des „katholischen Milieus“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.  Sinngemäß meinte er, daß dies eines der spannendsten Themen der Kirchengeschichte der Neuzeit wäre (bis hierhin gehe ich d’accord), weil da eine Form des Katholizismus entstanden sei, die es vorher so niemals gegeben habe (kann sein), und, ich zitiere wörtlich: “ inschallah niemals wieder geben wird“.

Inschallah? WTF???

Selbst wenn sich meine Kommilitonin vertan hat und er kein Priester ist- er doziert an der katholisch-theologischen Fakultät. Es sind schon Christen ermordet worden, weil ein paar Muslime der Meinung waren, das Wort Allah dürfe nur von Muslimen benutzt werden (auch wenns formal nur „Gott“ heißt). Im angeblich ach so toleranten Malaysia.

Davon abgesehen offenbarte er dann ein reichlich schwarzmalerisches Bild diesen katholischen Milieus. Ja, klar, damals wurden die Leute auf den Dörfern mit vorgehaltener Mistgabel zum Angelusbeten gezwungen, nüchternen westfälischen Bauern wurde die Herz-Jesu-Verehrung aufgenötigt, und in einem katholischen Turnverein zu sein ist auch ganz arg schlimm.  Sicher, früher war nicht alles besser, aber auch vom „inschallah“ mal abgesehen hat mich die Aussage schockiert.

Sich erst wohlwollend zu einem Verein äußern, der Ohrenbeichte und Zölibat abschaffte, die Sakramente mal eben auf zwei zusammenstrich, einen stark antirömischen Reflex hatte und das Hohelied der Aufklärung sang, ungeachtet der damit ja durchaus verbundenen Schattenseiten, sprich: de facto ein protestantisierter, deutschtümelnder Verein  (tja….und am Ende stand die Einigung mit den protestantischen „Lichtfreunden“ und1859  das Aufgehen im Bund freier religiöser Gemeinden…honi soit qui mal y pense…), aber dann Abscheu äußern, wenn es ums katholische Milieu geht?

Danke, dann stehe ich im Zweifelsfall lieber auf Seiten der bösen „Ultramontanen“. Dann kann ich ganz „voraufgeklärt“ zur Fronleichnamsprozession und mich freuen, wenns irgendwo noch das Angelusläuten gibt…