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Theologie des Leibes 1

Wie angekündigt, aber mit einer Woche Verspätung, beginne ich nun mit der Serie zur Theologie des Leibes. Es geht dabei um die kurzen Betrachtungen, die Johannes Paul II zu Beginn seines Pontifikats bei den Mittwochsaudienzen hielt. Dieser Zyklus begann am 5. September 1979 und dauerte, mit längeren Unterbrechungen, bis zum 28. November 1984. Weitere Informationen werde ich nach und nach geben, ich möchte jetzt niemanden gleich mit einem Aufsatz zum Thema verschrecken.

Nettes Zitat zu Beginn, allerdings auf Englisch, von George Weigel:

[The Theology of the Body is] a kind of theological time bomb set to go off with dramatic consequences, sometime in the third millennium of the Church.

Na dann wollen wir mal. Zum Vorgehen: Die Katechesen liegen mir auf Englisch vor. Ich fasse auf Deutsch zusammen. Vielleicht kommentiere ich mal was, aber ich bin ja auch Anfänger, also werde ich damit sehr sparsam umgehen. Per Kommentarfunktion kann natürlich gerne diskutiert oder irgendwas gefragt werden. Seid nachsichtig, ich fang einfach mal an, ohne genau zu wissen, wie ich das sinnvollerweise aufziehen sollte, und ich taste mich selbst erst ans Thema ran, bin also keine Expertin. Nichtmal ansatzweise. Wenn ich manchmal ungeschickt oder vielleicht zu flappsig formuliere, verzeiht mir bitte auch dies.

Danke!

Theologie des Leibes 1

5. September 1979

1. Der Heilige Vater weißt zunächst auf die bald stattfindende ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode hin (5. Ordentliche Generalversammlung, 26. September – 25. Oktober 1980: „Die christliche Familie“ mit dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981).) Die Vorbereitungen dafür laufen. Er möchte die Aufmerksamkeit richten auf die Familie, diese Gemeinschaft des menschlichen und christlichen Lebens, die schon am Anfang fundamental war (gut, hier holpern meine Übersetzungskünste ein wenig).  Johannes Paul II weist hier auf den Dialog zwischen Jesus und den Pharisäern zum Thema Ehescheidung hin. Für die Theologie des Leibes einer der zentralen Texte. Schauen wir uns die Stelle bei Matthäus mal an (Matt 19, 3-6)

3 Da kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?
4 Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat
5 und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein?
6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
7 Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will?
8 Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.

Johannes Paul II fragt, warum der Herr dieses am Anfang so betont (betont, weil es zweimal vorkommt, am Anfang und am Ende Seiner Antwort).
2. Dieser doppelte Hinweis auf den Anfang schlägt den Bogen zum Buch Genesis. Zunächst ist aber wichtig, daß Christus das Problem auf einer anderen Ebene betrachtet. Er will sich nicht in juristische oder kasuistische Spitzfindigkeiten verwickeln lassen. Er bezieht sich auf die Hl. Schrift, um etwas grundsätzliches klarzumachen.
Hier die Verse auf die Er sich hier bezieht.
Da ist erstmal 1 Mose 1, 27:
27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.
Als Mann und Frau schuf er sie.
Und 1 Mose 2, 24:
24 Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch.

Durch die Bezugnahme des Herrn auf diese Stelle und die Betonung wird der normative Anspruch verdeutlicht. Besonders dadurch, dass Er hinzufügt:  6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Es ist nicht nur eine rein faktische Schilderung. Von Anfang an stehen die Einheit und die Unauflöslichkeit der Ehe zwischen Mann und Frau als Forderung im Raum. Das macht der Herr hier sehr deutlich.
4. Man könnte jetzt denken, der Fall sei erledigt: Christus hat den normativen Anspruch bestätigt und bekräftigt beziehungsweise klargestellt. Aber Johannes Paul II stellt an dieser Stelle fest, dass wir sozusagen erst an der Oberfläche gekratzt haben. Wenn Christus dieses am Anfang so betont, ist damit doch auch nochmal besonders auf den Umstand hingewiesen, dass der Mensch von Gott als Mann und Frau erschaffen wurde. Auch das muss näher beleuchtet werden, wenn man den normativen Gehalt wirklich richtig verstehen will. Da geht es uns nicht anders als den Menschen damals, die dem Herrn zugehört haben.
5. Durch diese intensive Beschäftigung mit diesem Abschnitt aus dem Matthäusevangelium ( Matt 19, 3-8)  soll sozusagen auch die Arbeit der Synode von weitem begleitet werden. Klar, wenn es um Familie geht, muss man sich auch und besonders mit der Ehe beschäftigen. Und da geht es hier nicht um irgendwelchen Kleinkram, sondern um die ganz großen Fragen.
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Schlaflos in Münster…und ein Plan

Wenn ich aufgrund der im vorigen Artikel angesprochenen Medikamente mitten in der Nacht aufwache und partout nicht mehr schlafen kann, kann ich auch was vernünftiges machen, statt wachzuliegen und mich zu ärgern. Vielleicht schlafe ich dannach sogar nochmal ein.

Also, was ich schon gestern gemacht habe: neues Blogdesign gewählt. Gefällt mir, ist so schön gradlinig. Das alte hat mir eigentlich auch gefallen, aber ich wollte mal was neues probieren. Problem: Der Header scheint ein bißchen kleiner zu sein, jedenfalls fiel mir da zu viel vom Headerbild weg (das war dieses schöne Bild von Nesterov, das die Verkündigung zeigt, mit viel blau- sowohl Marias Gewand als auch die Flügel des Engels). Also hab ich ein neues Headerbild gesucht und mit Fra Angelico auch gefunden.

 

So. Und wie ich mich jetzt schlaflos auf meinem Lager wälzte, bevor ich beschloß, dann halt wirklich in den wachen Betriebsmodus zu wechseln, habe ich folgendes beschlossen:  grundsätzlich wollte ich mir mal angewöhnen, jeden Tag sowohl in der Hl. Schrift, besonders die Evangelien, zu lesen, als auch andere geistliche Lektüre.  So in etwa eine Viertelstunde am Tag, plus, wegen der „höheren Dichte“, ein paar Minuten aus dem Neuen Testament.

Während ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob ich dafür einfach das Evangelium vom Tage nehme, was sich ja irgendwie anbietet, oder einem wie auch immer gearteten Alternativplan folge, hab ich ein Langzeitprojekt für die geistliche Lektüre gefunden. Versuche, das in einem Rutsch zu lesen, sind bisher immer gescheitert, und das ist schade. Der Plan ist: jeden Tag eine der Mittwochskatechesen von Johannes Paul II zu lesen, die sich mit der Theologie des Leibes beschäftigen. Womöglich mit Abweichungen an Sonntagen, hohen Festen oder in den besonders geprägten Zeiten, aber das wird  sich zeigen. Ich glaube, für den Anfang bleibts bei täglich außer am Sonntag, dafür suche ich mir was anderes, um ein bißchen Abwechslung zu haben und das Hirn mal auslüften zu können. Ich habe die Katechesen auf Englisch, aber egal in welcher Sprache- das ist ganz schön anspruchsvoll. Hmm. Eventuell noch Freitag als Ausnahmetag, werd ich nachher mal sehen. Ich hoffe ja doch noch auf ein paar Stunden Schlaf. Die Medikamente zeigen ihre Nebenwirkungen. Immerhin fängt das Zeug auch an zu wirken. Antriebssteigerung definitiv in ersten Ansätzen vorhanden, Stimmungsaufhellung noch nicht so.  Bitte weiterhin um Euer Gebet.

Frau Käßmann und die Ökumene

Vielen scheint es, als wäre die EKD der Ökumene mehr zugetan als die katholische Kirche in Deutschland. Gut, man muß da ein paar Details ausblenden, aber hey, verwirr mich doch bitte nicht mit Fakten, oder?

Frau Käßmann antwortete dann auch auf die Frage, was sie für Erwartungen hinsichtlich der Ökumene an Papst Benedikt habe damit, daß sie von ihm nichts erwarte. Gut, schön daß sie da so ehrlich war, aber ein bißchen unverschämt finde ich das ausgerechnet diesem Mann gegenüber schon.

Ok, dann ist da also Frau Käßmann auf dem ökumenischen Kirchentag. Und darf in einer katholischen Kirche sprechen. Ich glaube, es war sogar eine Predigt.

Und jetzt kommt der Affront. Sie steht da also in einer katholischen Kirche, mit einem Marienpatrozinium (Liebfrauendom, nebenbei war das genau der Dom, in der Joseph Ratzinger 1977 zum Erzbischof von München und Freising geweiht wurde…), im Mai,  also dem Monat, der besonders der Verehrung der Gottesmutter gewidmet ist, und erzählt was von der Pille als Gottesgeschenk.

Das ist nicht nur ein kleiner Affront.

Sie weiß, wie die katholische Position zur Pille ist (und ich bin mir irgendwie sicher, daß auch die diversen protestantischen kirchlichen Gemeinschaften irgendwann mal was gegen Verhütung, Abtreibung und vorehelichen Sex hatten. Lang, lang ists her…aber dadurch ist es nicht weniger wahr).  Sie kennt mit Sicherheit auch, wie das lt. Bibel damals war, bei Maria…da kam ein Engel, und fragte, und sie sagte ihr fiat, Lk 1,38:  Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast…und sie empfing vom Heiligen Geist.

Und hier postuliert Frau Käßmann die technisch gesteuerte Empfängnis. Nicht mehr „mir geschehe nach deinem Wort“ (um mal eine sprachlich buntere Übersetzung zu verwenden), sondern mir geschehe, was ich will, wann ich will, wie ich will. Nota bene: Gott hat sie nicht gezwungen, Er hat Maria gefragt. Maria hat sich angehört, was Gott will, und hat dann zugestimmt, Seinem Willen bzw Plan zu folgen.  Das, was Frau Käßmann postuliert läuft aber auf ein „mir doch egal, was Gott will“ hinaus. Irgendwie erinnert mich das an diese alte Geschichte, mit dem Garten und der Schlange…was war da doch gleich?

Mal ganz davon abgesehen, daß auch von der katholischen Position zur Pille abgesehen es höchst problematisch ist, die Pille als Geschenk Gottes zu sehen, und ich gestehe, daß ich das durchaus aus eigener Anschauung sagen kann, zumindestens was einige Aspekte angeht. Welche genau verrat ich nicht, geht niemanden was an.

Sie hat massive Nebenwirkungen, Gewichtszunahme ist da noch das harmloseste. Kann auch gerne mal Richtung totaler Libidoverlust, Antriebslosigkeit, Depressionen gehen. Totaler Libidoverlust? Ja, super, die Frau kann dann zwar theoretisch immer, ohne das sie eine Schwangerschaft riskiert, sie will bloß leider nicht. Sie soll aber immer wollen.

Heutige Pillen sind meist extrem niedrig dosiert. Das steigert das Risiko von „Unfällen“. Unfall kann heißen: es kommt zu einem Eisprung und Befruchtung, und die Nidationshemmung verhindert dann eine Schwangerschaft. Sprich: Frühabtreibung. Oder die Nidationshemmung versagt, und es kommt zu einer Schwangerschaft. In meinem näheren Umfeld weiß ich von einem Kind, das exakt so „zustande gekommen ist“- und Gott sei Dank hat die Mutter sich dafür entschieden, das Kind zu bekommen. Wird im Herbst eingeschult. In vielen anderen Fällen wird dann allerdings abgetrieben. Wer Englisch/Amerikanisch versteht, möge sich mal bitte diesen kurzen Trailer anschauen. Wenn das, was da am Anfang gesagt wird, auch nur ansatzweise stimmt, dann sind ein paar Leute noch böser, als ich ohnehin dachte.

Wer das nicht versteht:  ganz am Anfang ist eine Frau zu sehen, die früher für Planned Parenthood gearbeitet hat. Lt ihrer Aussage hat Planned Parenthood, um mehr Abtreibungen zu verkaufen einen Plan entwickelt: Mädchen die natürliche Scheu sexuellen Dingen gegenüber nehmen, von der Familie und ihren Werten entfremden, zu ihren „Sex-Experten“ und Ansprechpartnern werden, entsprechende Kurse und Unterrichtsangebote (sex education), niedrig dosierte Pillen verschreiben die leicht mal versagen, gerade wenn ein schusseliger Teen die ab und zu mal vergisst, und ihnen dann Abtreibungen anbieten. Mit dem Ziel, von jedem 13-19 jährigen Mädchen mehrere (!) Abtreibungen zu bekommen. Ganz ehrlich? Das sind nicht die bösen Amis. So ganz wesentlich anders läufts hier doch auch nicht. Wobei bei uns vielleicht weniger der finanzielle Aspekt und mehr eine ideologische Komponente im Vordergrund steht. Dem Kind, das abgetrieben wird, ist es aber vermutlich egal, ob es im Rahmen von Gewinnsucht oder im Rahmen einer komischen feministischen Agenda abgetrieben wird…

So. Die Pille hat also massive gesundheitliche (ach ja, von teils tödlichen Thrombosen bei 14 jährigen hab ich ja noch gar nix gesagt) und psychische Auswirkungen, greift massivst in Beziehungen/ das Verhältnis von einem Mann zu einer Frau ein (egal ob verheiratet oder nicht, die Mechanismen nehmen sich da glaub ich nix), wiegt Frauen in falscher Sicherheit- und, seien wir mal ehrlich, sorgt auch für ein wesentlich enthemmteres Sexualleben, mit allen negativen gesellschaftlichen, gesundheitlichen und psychischen Folgen. Manche nennen das sexuelle Befreiung. Es mag Leute geben, die damit scheinbar gut zu Rande kommen. Andere macht es krank. Ich halte Depressionen für eine letztlich gesunde Reaktion darauf, daß man geliebt werden will und lieben will und es dann aber in der Realität immer um Sex geht. Dann gibts da noch die demographische Entwicklung, und ja, auch die hat was mit der Pille zu tun (heißt ja auch „Pillenknick“)

Und das ist jetzt also ein Gottesgeschenk?

Nee, Frau Käßmann, wenn, dann ist das ein Geschenk von jemand ganz anderem.

Und wenn sie schon diese schwachsinnige Behauptung tätigt- wieso dann in diesem Umfeld? Sie ist nicht dumm. Sie weiß, was für eine Provokation das ist. So viel zum Thema Ökumene.

Der relevante Abschnitt, leider nur mit nem Foto von Frau Käßmann, das offenbar aus der Advents- oder Weihnachtszeit stammt (Herrnhuter Stern im Hintergrund), kommt hier:

Vielleicht kann ihr jemand ja mal die Theologie des Leibes erklären, dann würde sie vielleicht beginnen zu ahnen, wieso das kein Gottesgeschenk sein KANN.