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Demut…und Depressionen

Demut kann, vielleicht, manchmal einfach bedeuten, daß man sich eingesteht, etwas nicht alleine, nicht einfach so,  zu schaffen.  Auch wenn das bedeutet, das man eben doch langfristig irgendein Medikament nehmen muss, daß einem erstmal Herzrasen, schlaflose Nächte und Übelkeit beschert. Auch, wenn es in unserer Gesellschaft stigmatisierend ist, sich Hilfe zu holen von jemandem, dessen Berufsbezeichnung mit Psy- anfängt, es geht manchmal eben nicht anders.

Man kann sich auch in solchen Situationen vom Glauben tragen lassen. Nicht im Sinne einer Krücke oder einer Art frommer Autosuggestion. Ich glaube, daß der Herr einem gerade in solchen Situationen nah sein will und einen stützt. Und ich weiß, daß es Heilige gibt, die ähnliche Probleme hatten oder wo man das zumindest mal vermuten kann. Das tröstet.

Erstaunlicherweise gibts in Deutschland kaum vernünftige katholische Literatur zu dem Thema, jedenfalls bin ich bisher nicht fündig geworden. Anselm Grün hat natürlich mindestens ein Buch zum Thema Depressionen geschrieben, ich besitze es und habe es gelesen, aber ich fand es nicht unbedingt hilfreich.

Auf dem amerikanischen Buchmarkt gibt es viel mehr, die Qualität kann ich  nicht beurteilen, aber ich werde mal schauen, ob ich mir da nicht ein oder zwei Sachen bestelle.

Auf amerikanischen Seiten habe ich dann auch herausgefunden, daß die hl. Margareta von Cortona mitnichten nur für Büßerinnen (und vermutlich die Stadt Cortona) zuständig ist, sondern auch für Leute mit psychischen Problemen. Das freut mich, weil ich die hl. Margareta von Cortona sowieso mag. Ich glaube, das macht sie jetzt zu einer ziemlich zentralen Heiligen für mich. Deshalb auch ein Bild von ihr:

Hl. Margareta von Cortona

Wenn der eine oder die andere mal für mich ein Gebet sprechen oder ein Kerzlein anzünden würde, wäre das schön. Oder am besten für alle, die unter den verschiedenen Formen von Depressionen leiden. Bei mir ist es ja, Gott sei Dank, relativ milde, wenn auch langandauernd. Vergelt’s Gott!

Hmm. Mit diesem Artikelchen verstosse ich gegen das in Deutschland übliche „darüber spricht man nicht“. Ein bißchen steckt das in mir auch drin, am Anfang rede ich ja ziemlich um den heißen Brei herum, das Wort „Depression“ tauchte erst weit unten auf, bis ich den Titel geändert habe.

So ist das. Es ist einem peinlich, und man versucht es zu verstecken, was bei einer leichten Depression auch ziemlich gut funktioniert. Selbst Eltern müssen  nicht unbedingt mitbekommen, was eigentlich los ist.  Ich weiß, daß man ein gewisses Risiko eingeht, wenn man darüber offen spricht. Im beruflichen Umfeld würde ich das auch nicht tun. Aber es kann helfen, darüber zu sprechen, und ich habe schlicht keine Lust und keine Kraft, 24/7 ein Theaterstück zu spielen, nur damit alle denken, mir ginge es gut. Nein, mir gehts nicht gut. Und es ist befreiend, das so zu sagen.

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