Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?

Kürzlich war ich auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Telgte. Trotz der teilweisen Überflutung des Geländes und des daher ziemlich matschigen Untergrundes ein schöner, kurzweiliger Nachmittag.

Eine kurze Begegnung beschäftigt mich aber seither. Ich unterhielt mich dort mit einem Bekannten, wir standen in einer größeren Gruppe von uns unbekannten Leuten, um uns herum Erwachsene, weiter vorne Kinder, irgendwas gab es zu sehen. Wir sprachen gerade vom Glauben an den Weihnachtsmann (und Osterhasen). Irgendwann sagte ich dann sinngemäß, daß ich das schon als Kind recht früh gewusst hätte, daß es sowas wie Weihnachtsmann oder Osterhasen nicht gibt, und daß die Geschenke von den Eltern kommen. Ich hatte kaum den Satz beendet, da drehte sich eine Frau zu mir um, sagte nur leicht pampig, daß hier Kinder wären, die vielleicht noch daran glaubten, und vielleicht könnte man dann auf solche Äußerungen verzichten. Sprachs und stapfte davon.

Ich fühlte mich dann erst nicht so doll, weil natürlich niemand, auch noch öffentlich, gerne zurechtgewiesen wird, egal ob zu Recht oder zu Unrecht. Dann dachte ich auch noch kurz, daß sie ja Recht hätte, und ich diesen Rüffel also verdientermaßen bekommen hätte.

Und später hatte ich immernoch ein dummes Gefühl bei der Erinnerung an diese Situation, allerdings aus völlig anderen Gründen. Wieviele Kinder glauben an Weihnachtsmann, Osterhasen oder die Zahnfee? Keine Ahnung, aber werden schon einige sein. Es gibt aber weder einen Weihnachtsmann, noch einen Osterhasen noch die Zahnfee. Und die Kinder merken das irgendwann oder bekommen es von anderen Kindern (oder so bösen Erwachsenen wie mir) irgendwann erzählt. Tja. Und rumms, ist es weg, das Vertrauen, in das, was die Eltern so sagen. Und Gott? Gibt es Gott? Oder haben die Eltern einem da auch nur was vorgeschwindelt wie beim Weihnachtsmann oder dem Osterhasen?

Vielleicht wäre es sinnvoll, Kindern keinen Bullshit zu erzählen. Auch wenn es noch so süß ist, wenn die Kleinen sich über Osterhasen, Weihnachtsmann, Zahnfee oder meinetwegen den Storch freuen (aber irgendwie hab ich das Gefühl, von dem wird gar nix mehr erzählt).

Erzählt den Kindern vom heiligen Nikolaus, den gibts, und er ist ein ziemlich cooler Heiliger. Meinetwegen auch vom Christkind, auch wenn da vieles bißchen arg kitschig rüberkommt, und ich auch nichts davon halte, Kindern vorzuschwindeln, das Christkind würde Geschenke bringen. Nein, tut es nicht. Gott ist Mensch geworden, genauer: Kind, Säugling, unter armseligen Umständen, um unseretwillen. Und weil wir das feiern, und zu einer Feier Geschenke auch irgendwie dazugehören, schenkt man sich halt was. Aber die Geschenke sind nicht das wichtigste- sonst könnten gerade die Armen Weihnachten gar nicht richtig feiern, und auch „Fest der Familie/Liebe/whatever“ ist um einiges zu kurz gesprungen.

Ob die Dame, die sich da so echauffiert hat, ihrem Kind von Gott erzählt? Oder nur vom Weihnachtsmann? Wenn sie ihrem Kind auch von Gott erzählt- was wird passieren, wenn es merkt, daß es den Weihnachtsmann nicht gibt? Auch an der Existenz Gottes zweifeln? Ich könnte dem Kind diese Reaktion nicht verübeln- sie ist naheliegend. Wer einmal lügt…

7 Antworten zu “Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?

  1. Meine Eltern haben mir vom Osterhasen erzählt. Ich hab das geglaubt. Immerhin hat Frau Osterhase mir eines Tages einen Brief geschrieben, in dem sie mir erzählte, wie ihre Kinder ihr die Ohren abknabbern, weil sie keinen Schnuller haben, und dass ich ihr doch bitte meinen abgeben möge, sonst hat sie bald keine Ohren mehr.
    Ich hab das natürlich getan. Hatte fortan keinen Schnuller mehr. Meinem Gebiss hat das sicher gut getan. Dass meine Eltern mich da so ein bißchen beschummelt haben, ist mir aber erst vor wenigen Jahren so richtig aufgegangen…

  2. Na ok, das war ja für einen guten Zweck 😉

    Süße Geschichte.

  3. Ich selbst habe als Kind sehr lange daran geglaubt, daß die Geschenke am Hl. Abend vom Christkind unter den Christbaum gelegt werden und ich möchte rückblickend diese Zeit, die durch diesen Glauben mit viel Vorfreude und Aufregung verbunden war, nicht missen. Den Moment, in dem dieser Kinderglaube sein Ende fand, habe ich noch heute in Erinnerung. Mit einem Vertrauensverlust in das, was die Eltern einem sagen oder gar in einer Abkehr vom Glauben an Christus war das nicht verbunden. Ich hatte damals nur das Gefühl, etwas „erwachsener“ geworden zu sein.

    • Es hat auch durchaus eine andere Qualität, ob einem erzählt wird, die Geschenke kämen vom Christkind- oder vom Weihnachtsmann. Es kommt vielleicht auch immer drauf an, wie genau die Eltern das vermitteln, was sie sonst vermitteln- vermutlich krankt es bei den meisten eher daran.
      Allerdings habe ich schon von zu vielen irgendwelche Kommentare à la „Gott? Du glaubst wohl auch noch an den Weihnachtsmann!“ gehört, als daß ich das völlig unproblematisch finden würde.

      Wenn das so läuft, wie bei Dir- wunderbar.

  4. Ich bin ja atheistisch aufgewachsen, auch noch DDR.^^ Meine Eltern haben mir natürlich vom Weihnachtsmann erzählt, der dann auch prompt einmal bei uns auftauchte. Erstens hatte ich furchtbare Angst vor diesem komplett fremden Typen in rot und zweitens sah der doch eigentlich ziemlich genauso aus, wie mein Onkel.
    Nach einem oder mehreren Heulanfällen haben meine Eltern dann auf den Weihnachtsmann verzichtet und auch mein (jüngerer) Bruder musste ihn nie kennenlernen. Dafür gab es einen Sack mit Geschenken, der vor der Tür lag. Angeblich natürlich Weihnachtsmann, aber mal ganz ehrlich: Kinder sind nicht blöde. Wenn der Papa für zehn Minuten verschwindet und dann plötzlich wiederkommt und sagt, der Weihnachtsmann wäre da gewesen, dann kapiert man doch schnell den Zusammenhang. Wir habens jedenfalls. Von daher gab es dann auch keinen Osterhasen für uns.
    Gefehlt hat mir persönlich da nix. Christkind in dem Sinne gab es auch nicht, aber das fand/finde ich auch nicht schlimm. Es sind doch eh die Eltern/Verwandten die einem etwas schenken. Das darf man dann doch schon wissen dürfen, finde ich.

    Für die – etwas fernere – Zukunft überlge ich allerdings schon, wie ich das mal mit den eigenen Kindern handhaben möchte. Zu einer Lösung bin ich da noch nicht gekommen, zumindest wird aber Weihnachtsman eher ein Pseudonym des heiligen Nikolauses sein. Das finde ich in Ordnung. Und das Kind steht dann im Freundeskreis auch nicht ohne sein „Wichtelchen“ da, sondern hat den auch, wenn auch vielleicht etwas anders. Osterhasen wird es keinen geben. Das mag daran liegen, dass ich auch keinen hatte, aber ich finde den nun wirklich albern, niedlich, aber albern. Ausserdem habe ich genug Kaninchen zu Hause, die Kinners würden ohnehin bemerken, dass die keinerlei Lust haben, Eier zu verstecken (die Hasis streiten sich lieber um ihr Futter^^). Es gibt allerdings ein ganz niedliches Buch, „Die Häschenschule“, das wird’s auf jeden Fall geben. Hat aber ja auch nicht unbedingt direkt etwas mit dem Osterhasen zu tun.

    • Das hat mich auch gewundert: diese feste Überzeugung, die Kinder würden da ja noch richtig dran glauben- obwohl sie ja, wie Du beschreibst, durchaus die Verbindung zwischen „Papa kurz weg, Geschenke da“ ziehen können. Vielleicht machen manche Leute das so aufwendig, daß die Kinder davon echt nichts mitbekommen. Hmm.

      Hier laufen draußen genug Kaninchen rum, um zu merken, daß das mit dem Osterhasen sooo nicht ganz stimmen kann. Ok, Kaninchen und keine Hasen, aber der Osterhase wird sowieso oft genug als Kaninchen dargestellt…

  5. Ich wurde im positiven Sinn atheistisch-tolerant erzogen. Mein Vater machte uns früh klar, daß es den Weihnachtsmann nicht gibt, und daß er uns die Geschenke schenkt. Daß es Brauch ist, sich zu dieser Zeit im Jahr was zu schenken. Das hatte ziemliche Vorteile, wußten wir doch, an wen wir uns der Geschenke wegen zu wenden hatten (Papa und Mama halt). vllt ist das auch der Grund, daß auch nach unserer Kollektiv-Bekehrung Weihnachten eher schlicht gefeiert wird – auch wenn jetzt Weihnachten freilich deutlich mehr bedeutet!
    Dennoch kam mal in Österreich der Nikolaus zu uns (jawoll, der Echte mit Mitra!). Das hat mich sehr gefreut, auch wenn Oli und ich wußten, daß das unsere verkleidete, alte, liebe Nachbarin war. Ich fands toll, die Gewänder, die Mitra, die Rute und die Süßigkeiten, das war doch wie ein Spiel.

    Was ich damit sagen will: man braucht, damit Kinder Freude an der Weihnachtszeit haben, weder einen Bären aufbinden, noch „ganz aufgeklärt und atheistisch“ gar nicht mit ihnen zu feiern, „weil das ja alles Unsinn ist“. Man kann den Kindern zun Beispiel begreiflich machen – und das auch recht früh – daß das alles ein Spiel ist, was man jedes Jahr spielt, weil man sich mag – Brauchtum eben. Als Christ kann und soll man noch den wahren Grund sagen – das ist klar. Aber auch hier bin ich doch so materialistisch, daß ich meinen Kindern bzw meinem Neffen nicht erzählen würde, daß „morgen der Nikolaus kommt“ wenn tatsächlich ich mir ne Mitra und nen Fusselbart umlege. Ich würde – Verständnis vorausgesetzt – versuchen, ihm klar zu machen, was wir hier spielen.

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