Tagesarchiv: November 20, 2010

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!

Morgen feiern wir das Christkönigsfest. Es ist ein sehr junges Hochfest: eingeführt wurde es 1925 von Papst Pius XI. Die Enzyklika dazu heißt Quas Primas und findet sich auf Englisch hier auf der Seite des Heiligen Stuhls (Andere Sprachen inklusive Latein gibt es auch, aber ich habe mal die ausgewählt, die vermutlich die meisten relativ flüssig lesen können, zumal ich zu meiner Schande gestehen muß, Latein nicht zu beherrschen…). Interessanterweise hat Pius XI. sein Pontifikat auch schon unter ein Motto gestellt, daß auf die Königsherrschaft Christi verweist: pax christi in regno christi, der Friede Christi in Christi Reich. Siehe hierzu seine Antrittsenzyklika Ubi Arcano Dei Consilio.

Иисус Христос Царь Царей и Великий Архиерей. Ок. 1600. (Christus, König der Könige, Griechenland/ 1600)

Vieles ist sicher sattsam bekannt: das Fest wurde eingeführt zu einem Zeitpunkt der Weltgeschichte, zu dem diverse Monarchien und Kaiserreiche plötzlich Republiken wurden; aber auch zu einem Zeitpunkt tiefgreifender gesellschaftlicher und damit auch sozialer, moralischer und religiöser Veränderungen. Wenn ich mir so die Enzykliken von Pius XI. anschaue, scheint es ihm auch genau darum zu gehen: um eine Art Neuevangelisierung, einen Glaubensaufbrauch, ein Durchsäuern der Gesellschaft- nicht umsonst fällt auch in die Zeit ein Aufbruch der Laienbewegungen. Das ist ein Punkt, wieso ich dieses Fest so spannend und aktuell finde (wobei mir eigentlich kein Fest einfällt, bei dem das anders wäre, aber vielleicht nicht in jedem Fall in der Dringlichkeit und Aktualität).

Auch sicher bekannt: das Fest wurde ganz zentral für die Katholiken, besonders die katholische Jugend, während des Nationalsozialismus. Wurde ursprünglich am Dreifaltigkeitssonntag der sogenannte Bekenntnissonntag der katholischen Jugendverbände gefeiert, wurde das durch einen Schachzug der Nationalsozialisten unmöglich gemacht: sie legten auf diesen Tag das Reichssportfest. Dann wurde der Bekenntnissonntag eben an Christkönig gefeiert- als Alternative zum nationalsozialistischen Führerkult und „Vereinswesen“. Ich denke, der neue Termin hatte womöglich sogar etwas noch provozierenderes als der Bekenntnissonntag am Dreifaltigkeitssonntag. Christus König…das hat schon was von Provokation und Widerstand in einer Diktatur, aber ich finde, es ist vor allem auch ein tröstliches Fest. Und provokant ist es nicht nur in einer Diktatur, sondern eigentlich in jeder denkbaren Regierungsform. Auch gegenüber einem König oder Kaiser, einer Demokratie (gerade der gegenüber!), diversen totalitären -ismen oder der Anarchie sagt das Fest aus: es gibt da etwas, nein, es gibt da jemand, der viel höher steht. Dessen Herrschaft kommt friedlich, auf leisen Sohlen, ist jetzt schon und noch nicht, aber eines Tages wird Seine Herrschaft ganz offenbar werden. Und: wenn man sich Seiner Herrschaft unterstellt, geht es einem besser, denn Sein Friede ist mit einem. Irgendwelche Regenten, Präsidenten, Chefs, Diktatoren und so weiter können da nicht mithalten. Sicher, legitimer Herrschaft ist man Gehorsam schuldig- aber sie hat Schranken, auch wenn die Herrschaft selbst diese Schranken nicht anerkennt.

Wir leben glücklicherweise in einer Demokratie, nicht in einer Diktatur. Dennoch maßt sich die Politik manchmal- meinem Eindruck nach, zunehmend- Dinge an, die ihr nicht zustehen. Es werden Dinge diskutiert und verabschiedet in unseren Parlamenten, die so tief in das Leben von Menschen eingreifen (wollen, ob es klappt ist dann immer noch eine andere Frage)- das hätte sich kein absolutistischer Herrscher gewagt.  Daher finde ich das Christkönigsfest auch für uns heute tröstlich. Provokant-widerständig ist ja sowieso alles, was katholisch ist (wer daran zweifelt, möge mal irgendwo in der Öffentlichkeit nen Rosenkranz auspacken und beten…), ganz automatisch.  Und: in dem, was Pius XI. über die Gesellschaft seiner Zeit schreibt, erkenne ich unsere Gesellschaft heute sehr gut wieder, auch ohne einen vor kurzem beendeten Weltkrieg.

Trotz des vielleicht etwas wirren Gedankenganges hoffe ich, ein wenig vermitteln zu können, wieso mir dieses Fest so wichtig ist. Seit ich katholisch bin freue ich mich jedes Jahr darauf.

Als Illustration ein Bild von einem Mosaik der Klosterkirche der Franziskanerinnen von Thuine. Ich hab ein bißchen mit The Gimp daran herumgespielt, man erkennt jetzt mehr Details, ich habe allerdings keine Ahnung, ob die Farben so stimmen…

Christus König- Mosaik aus der Klosterkirche der Franziskanerinnen in Thuine

Werbung