Monatsarchiv: November 2010

Pong- Guilty Pleasures

Die Gnade der späten Geburt kann zum Problem werden, wenn es um 80er-Ping Pong geht, mit dem Problem schlage ich mich aber nicht alleine rum. Das hatte auch  Yon, deren Pong sich aber dennoch sehen und hören lassen kann, nämlich hier und da. Aber, wenn der Herr Alipius Ping Pong spielen will: hier, bitte, besser spät als nie mein Beitrag.

Guilty Pleasure- kein Problem, damit könnte ich nen kompletten Blog füllen. Aber in den 80ern war ich im Kindergarten, 89′ wurde ich eingeschult. Ich hab schon vor dem Kindergartenalter gelernt, den elterlichen Plattenspieler zu bedienen. Favoriten waren „Der Bielefelder Chor singt Kinderlieder“, irgendeine Platte mit Weihnachtsliedern (auf dem Cover: ein Mädchen in einem quietschblauen Kleidchen sitzt auf dem Schoß des Weihnachtsmannes. Das könnte man so heute glaub ich gar nicht mehr machen), und die Dreigroschenoper . Es konnte niemand ahnen, daß ich die auswendig lernen und ausgerechnet die  expliziteren Stücke daraus im Dorfkindergarten singen würde. Mittlerweile kann ich mit Brecht übrigens nicht mehr allzu viel anfangen, also eigentlich gar nichts, und als ich klein war, fand ich auch eigentlich nur die Moritat von Mackie Messer, den Kanonensong, die Seeräuber-Jenny und das Hochzeitslied für ärmere Leute toll. Also- interessant-bizarr-toll. Davon abgesehen hörte ich Biene Maja, Bibi Blocksberg (nur die Folgen, in denen Benjamin Blümchen nicht vorkam, den fand ich doof), ein paar Kinderkassetten und von der Ostverwandschaft geschickte DDR-Kinderplatten. Schlapps und Schlumbo zum Beispiel. Ach ja. Und die Beatles.

Dann kam 89′ und die Schule, mein musikalischer Horizont erweiterte sich um Connie Francis, Caterina Valente und Oldies. Ahem.

Bizarrerweise hat mir eine Freundin damals eine Kassette von den Flippers geschenkt, die hab ich aber höchstens 30 Sekunden lang gehört und dann für musikalisch-ästhetischen Sondermüll befunden.  Meine musikalische Welt wurde davon also nicht wirklich berührt- sie wurde allerdings durch den Umzug gen Osten in der vierten Klasse völlig aus den Angeln gehoben.

In der neuen Klasse waren die Leute irgendwie anders. Weniger Kind. Und plötzlich gab es Schuldisko und Eurodance. Wir sind jetzt schon Anfang/Mitte der 90er.

Whigfields „Saturday Night“ fanden wir klasse (da waren wir wohl nicht die Einzigen, wenn man auf St. Dymphnas Gedankenwelt nachliest…) , Twenty 4 Seven auch, Rednex‘  „Cotton Eye Joe“  war ein Riesenhit, und ich mochte sogar DJ Bobo. Manchmal schleiche ich auf youtube in finsteren Ecken herum und höre so Zeug, manchmal tanze ich sogar dazu. Und ich gestehe, daß ich unheimlich Lust hätte, mal auf eine 90er-Party zu gehen. Exemplarisch für die Absonderlichkeiten, die ich damals so gehört habe: hier sind Twenty 4 Seven mit „Is it love“.

Immerhin: als ich mir diese und andere CDs und MCs aus der Stadtbibliothek bei meiner Oma ausgeliehen und auf dem Doppelkassettendeck meiner Großeltern massenweise von CD auf Kassette oder von Kassette auf Kassette Musik überspielt habe, da war nicht nur Gruselkram wie Twenty 4 Seven dabei, sondern auch Björk.

Ah, jetzt fällt mir doch noch was ein, was ich gerne gehört habe, was ich immer noch mag, und mir vermutlich irgendwie peinlich sein müsste, und es ist sogar aus den 80ern.  The Bangles: „Eternal Flame“.

Blondie oder Kate Bush sind mir nicht peinlich. Deine Lakaien auch nicht. Aktuellere guilty pleasures fallen mir auch gerade nicht ein. Ich höre übrigens auch nicht- grauenhafte und zuweilen sogar richtig gute Musik. Aber nach der war ja nicht gefragt.

Ah, und noch was für die internationale Verständigung. Was aus Japan. Mir wurde aus sehr zuverlässiger Quelle berichtet, daß Japaner wirklich so verrückt sind, wie man hier oft denkt.  Immerhin produzieren sie sowas:  Happa-tai/ Green leafes mit Yatta. Die Qualität ist grauenhaft, aber dafür ist es ein Video mit Untertiteln. Wer Probleme mit spärlichst bekleideten japanischen Männern hat, sollte wegsehen 😉 

Ich finde es wunderbar selbstironisch. Leute, die sich selbst auf die Schippe nehmen können, sind mir sympathisch.

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Ad te levavi animam meam

„Ad te levavi animam meam:
Deus meus in te confido, non erubescam:
neque irrideant me inimici mei:
etenim universi qui te expectant, non confundentur.“

„Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, dir vertraue ich. Lass mich nicht scheitern, lass meine Feinde nicht triumphieren! Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.“

(Introibusantiphon/Eröffnungsvers für den Ersten Advent,  Ps 25 (24), 1-3

Auch wenn’s  schon wieder Abend ist: einen gesegneten Ersten Advent!


 

Hl. Katharina von Alexandria

Heute ist, nachdem die hl. Katharina zwischendurch mal ganz aus dem Generalkalender gestrichen war, der nichtgebotene Gedenktag der hl. Katharina von Alexandria. Von wegen vermutlich nur legendär- irgendwer fühlt sich im Himmel offenbar angesprochen, wenn man sie um etwas bittet, und sie ist meine Firmpatronin. Sie war mal eine sehr beliebte Heilige, heute denken bei „hl. Katharina“ die meisten wohl eher an die hl. Katharina von Siena.

„Meine“ Katharina hat unheimlich viele Patronate, was ihre (frühere) Beliebtheit wiederspiegelt. Unter anderem ist sie auch die Patronin der Heiratswilligen…wenn ich irgendwann in den nächsten paar…na gut, Jahren, meinen künftigen Ehemann treffen würde, wäre das schon super.

Es gibt ein paar Wetterregeln, die möchte ich jetzt aber nicht zitieren, weil, wenn die stimmen sollten, wäre das, wenn ich einen Blick aus dem Fenster werfe, nicht so toll. Aber die wurden vermutlich nicht im dauerverregneten Münsterland entwickelt…

In der Sidebar gibts ein Bild von ihr, das ich sehr schön finde. Und im Dom setze ich mich gerne in die Bänke, die unter der Katharinenfigur links stehen.

Ihr merkt schon, ich bin heute nicht wirklich in der Lage, etwas substantielles zu schreiben. Aber kurz dran erinnern wollte ich, bevor der Tag rum ist, dann doch.

Heilige Katharina, bitte für uns.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!

Morgen feiern wir das Christkönigsfest. Es ist ein sehr junges Hochfest: eingeführt wurde es 1925 von Papst Pius XI. Die Enzyklika dazu heißt Quas Primas und findet sich auf Englisch hier auf der Seite des Heiligen Stuhls (Andere Sprachen inklusive Latein gibt es auch, aber ich habe mal die ausgewählt, die vermutlich die meisten relativ flüssig lesen können, zumal ich zu meiner Schande gestehen muß, Latein nicht zu beherrschen…). Interessanterweise hat Pius XI. sein Pontifikat auch schon unter ein Motto gestellt, daß auf die Königsherrschaft Christi verweist: pax christi in regno christi, der Friede Christi in Christi Reich. Siehe hierzu seine Antrittsenzyklika Ubi Arcano Dei Consilio.

Иисус Христос Царь Царей и Великий Архиерей. Ок. 1600. (Christus, König der Könige, Griechenland/ 1600)

Vieles ist sicher sattsam bekannt: das Fest wurde eingeführt zu einem Zeitpunkt der Weltgeschichte, zu dem diverse Monarchien und Kaiserreiche plötzlich Republiken wurden; aber auch zu einem Zeitpunkt tiefgreifender gesellschaftlicher und damit auch sozialer, moralischer und religiöser Veränderungen. Wenn ich mir so die Enzykliken von Pius XI. anschaue, scheint es ihm auch genau darum zu gehen: um eine Art Neuevangelisierung, einen Glaubensaufbrauch, ein Durchsäuern der Gesellschaft- nicht umsonst fällt auch in die Zeit ein Aufbruch der Laienbewegungen. Das ist ein Punkt, wieso ich dieses Fest so spannend und aktuell finde (wobei mir eigentlich kein Fest einfällt, bei dem das anders wäre, aber vielleicht nicht in jedem Fall in der Dringlichkeit und Aktualität).

Auch sicher bekannt: das Fest wurde ganz zentral für die Katholiken, besonders die katholische Jugend, während des Nationalsozialismus. Wurde ursprünglich am Dreifaltigkeitssonntag der sogenannte Bekenntnissonntag der katholischen Jugendverbände gefeiert, wurde das durch einen Schachzug der Nationalsozialisten unmöglich gemacht: sie legten auf diesen Tag das Reichssportfest. Dann wurde der Bekenntnissonntag eben an Christkönig gefeiert- als Alternative zum nationalsozialistischen Führerkult und „Vereinswesen“. Ich denke, der neue Termin hatte womöglich sogar etwas noch provozierenderes als der Bekenntnissonntag am Dreifaltigkeitssonntag. Christus König…das hat schon was von Provokation und Widerstand in einer Diktatur, aber ich finde, es ist vor allem auch ein tröstliches Fest. Und provokant ist es nicht nur in einer Diktatur, sondern eigentlich in jeder denkbaren Regierungsform. Auch gegenüber einem König oder Kaiser, einer Demokratie (gerade der gegenüber!), diversen totalitären -ismen oder der Anarchie sagt das Fest aus: es gibt da etwas, nein, es gibt da jemand, der viel höher steht. Dessen Herrschaft kommt friedlich, auf leisen Sohlen, ist jetzt schon und noch nicht, aber eines Tages wird Seine Herrschaft ganz offenbar werden. Und: wenn man sich Seiner Herrschaft unterstellt, geht es einem besser, denn Sein Friede ist mit einem. Irgendwelche Regenten, Präsidenten, Chefs, Diktatoren und so weiter können da nicht mithalten. Sicher, legitimer Herrschaft ist man Gehorsam schuldig- aber sie hat Schranken, auch wenn die Herrschaft selbst diese Schranken nicht anerkennt.

Wir leben glücklicherweise in einer Demokratie, nicht in einer Diktatur. Dennoch maßt sich die Politik manchmal- meinem Eindruck nach, zunehmend- Dinge an, die ihr nicht zustehen. Es werden Dinge diskutiert und verabschiedet in unseren Parlamenten, die so tief in das Leben von Menschen eingreifen (wollen, ob es klappt ist dann immer noch eine andere Frage)- das hätte sich kein absolutistischer Herrscher gewagt.  Daher finde ich das Christkönigsfest auch für uns heute tröstlich. Provokant-widerständig ist ja sowieso alles, was katholisch ist (wer daran zweifelt, möge mal irgendwo in der Öffentlichkeit nen Rosenkranz auspacken und beten…), ganz automatisch.  Und: in dem, was Pius XI. über die Gesellschaft seiner Zeit schreibt, erkenne ich unsere Gesellschaft heute sehr gut wieder, auch ohne einen vor kurzem beendeten Weltkrieg.

Trotz des vielleicht etwas wirren Gedankenganges hoffe ich, ein wenig vermitteln zu können, wieso mir dieses Fest so wichtig ist. Seit ich katholisch bin freue ich mich jedes Jahr darauf.

Als Illustration ein Bild von einem Mosaik der Klosterkirche der Franziskanerinnen von Thuine. Ich hab ein bißchen mit The Gimp daran herumgespielt, man erkennt jetzt mehr Details, ich habe allerdings keine Ahnung, ob die Farben so stimmen…

Christus König- Mosaik aus der Klosterkirche der Franziskanerinnen in Thuine