Tagesarchiv: Oktober 16, 2010

Theologie des Leibes 1

Wie angekündigt, aber mit einer Woche Verspätung, beginne ich nun mit der Serie zur Theologie des Leibes. Es geht dabei um die kurzen Betrachtungen, die Johannes Paul II zu Beginn seines Pontifikats bei den Mittwochsaudienzen hielt. Dieser Zyklus begann am 5. September 1979 und dauerte, mit längeren Unterbrechungen, bis zum 28. November 1984. Weitere Informationen werde ich nach und nach geben, ich möchte jetzt niemanden gleich mit einem Aufsatz zum Thema verschrecken.

Nettes Zitat zu Beginn, allerdings auf Englisch, von George Weigel:

[The Theology of the Body is] a kind of theological time bomb set to go off with dramatic consequences, sometime in the third millennium of the Church.

Na dann wollen wir mal. Zum Vorgehen: Die Katechesen liegen mir auf Englisch vor. Ich fasse auf Deutsch zusammen. Vielleicht kommentiere ich mal was, aber ich bin ja auch Anfänger, also werde ich damit sehr sparsam umgehen. Per Kommentarfunktion kann natürlich gerne diskutiert oder irgendwas gefragt werden. Seid nachsichtig, ich fang einfach mal an, ohne genau zu wissen, wie ich das sinnvollerweise aufziehen sollte, und ich taste mich selbst erst ans Thema ran, bin also keine Expertin. Nichtmal ansatzweise. Wenn ich manchmal ungeschickt oder vielleicht zu flappsig formuliere, verzeiht mir bitte auch dies.

Danke!

Theologie des Leibes 1

5. September 1979

1. Der Heilige Vater weißt zunächst auf die bald stattfindende ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode hin (5. Ordentliche Generalversammlung, 26. September – 25. Oktober 1980: „Die christliche Familie“ mit dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981).) Die Vorbereitungen dafür laufen. Er möchte die Aufmerksamkeit richten auf die Familie, diese Gemeinschaft des menschlichen und christlichen Lebens, die schon am Anfang fundamental war (gut, hier holpern meine Übersetzungskünste ein wenig).  Johannes Paul II weist hier auf den Dialog zwischen Jesus und den Pharisäern zum Thema Ehescheidung hin. Für die Theologie des Leibes einer der zentralen Texte. Schauen wir uns die Stelle bei Matthäus mal an (Matt 19, 3-6)

3 Da kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?
4 Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat
5 und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein?
6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
7 Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will?
8 Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.

Johannes Paul II fragt, warum der Herr dieses am Anfang so betont (betont, weil es zweimal vorkommt, am Anfang und am Ende Seiner Antwort).
2. Dieser doppelte Hinweis auf den Anfang schlägt den Bogen zum Buch Genesis. Zunächst ist aber wichtig, daß Christus das Problem auf einer anderen Ebene betrachtet. Er will sich nicht in juristische oder kasuistische Spitzfindigkeiten verwickeln lassen. Er bezieht sich auf die Hl. Schrift, um etwas grundsätzliches klarzumachen.
Hier die Verse auf die Er sich hier bezieht.
Da ist erstmal 1 Mose 1, 27:
27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.
Als Mann und Frau schuf er sie.
Und 1 Mose 2, 24:
24 Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch.

Durch die Bezugnahme des Herrn auf diese Stelle und die Betonung wird der normative Anspruch verdeutlicht. Besonders dadurch, dass Er hinzufügt:  6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Es ist nicht nur eine rein faktische Schilderung. Von Anfang an stehen die Einheit und die Unauflöslichkeit der Ehe zwischen Mann und Frau als Forderung im Raum. Das macht der Herr hier sehr deutlich.
4. Man könnte jetzt denken, der Fall sei erledigt: Christus hat den normativen Anspruch bestätigt und bekräftigt beziehungsweise klargestellt. Aber Johannes Paul II stellt an dieser Stelle fest, dass wir sozusagen erst an der Oberfläche gekratzt haben. Wenn Christus dieses am Anfang so betont, ist damit doch auch nochmal besonders auf den Umstand hingewiesen, dass der Mensch von Gott als Mann und Frau erschaffen wurde. Auch das muss näher beleuchtet werden, wenn man den normativen Gehalt wirklich richtig verstehen will. Da geht es uns nicht anders als den Menschen damals, die dem Herrn zugehört haben.
5. Durch diese intensive Beschäftigung mit diesem Abschnitt aus dem Matthäusevangelium ( Matt 19, 3-8)  soll sozusagen auch die Arbeit der Synode von weitem begleitet werden. Klar, wenn es um Familie geht, muss man sich auch und besonders mit der Ehe beschäftigen. Und da geht es hier nicht um irgendwelchen Kleinkram, sondern um die ganz großen Fragen.
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16. Oktober- hl. Hedwig von Schlesien

Heute ist der (nicht gebotene) Gedenktag der hl. Hedwig von Schlesien, auch bekannt als hl. Hedwig von Andechs. In Berlin, glaube ich, ein Fest.

Geboren wurde sie 1174 in Andechs, Eltern waren Graf Berthold IV.  und seine Frau Agnes. In der Verwandtschaft findet sich einiges an Prominenz, ein Bruder war Bischof, und ihre Schwester, Gertrud, wurde Mutter der hl. Elisabeth.

Die kleine Hedwig wurde im Benediktinerinnenkloster Kitzingen erzogen (liegt ein ganzes Stück von Andechs entfernt) und hat sehr, sehr jung geheiratet: mit zwölf Jahren wurde sie mit Heinrich I. von Schlesien verheiratet, der 1233 auch Herzog von Polen wurde. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen die meisten weit vor ihrer Mutter starben. Zwei Jahre vor ihrem eigenen Tod musste sie noch den Tod ihres Sohnes, Heinrich des Frommen, der in einer Schlacht gegen die Mongolen fiel, verkraften. Mit Ausnahme von Gertrud, die ihre Mutter um 25 Jahre  überlebte und Äbtissin des von ihrer Mutter gegründeten Klosters war, und Heinrichs, starben alle Kinder, bevor sie (nach heutigen Maßstäben) das Erwachsenenalter erreichten.

Ihr Mann baute das Land aus und holte deutsche Siedler nach Schlesien, Hedwig kümmerte sich um die Förderung des Glaubens, half bei der Niederlassung von Orden und sorgte sich um die Armen. 1201 gründete sie das Zisterzienserinnenkloster Trebnitz. Nach dem Tod ihres Mannes 1238 lebte sie auch dort.  Hedwig starb 1243. Bereits 1267 wurde sie heiliggesprochen, von Papst Clemens IV. Man erzählt sich, sie hätte stehts eine Marienstatue bei sich getragen, um sie andächtig betrachten zu können. Richtig berühmt ist sie aber für die von ihr getragenen Schuhe-  in der Hand, nicht an den Füßen. Sie hatte sich angewöhnt, barfuß zu gehen, sommers wie winters. Ihrem Beichtvater ging das zu weit, er forderte sie auf, Schuhe zu tragen. Naja. Man muss Wünsche schon eindeutig formulieren 🙂 Deshalb wird sie oft mit Schuhen in der Hand dargestellt. Oder mit einem Kirchenmodell. Oder mit beidem.

Bei Braut des Lammes gibts ein Rezept für Hedwigssohlen. Klingt sehr lecker. Werd ich nur in meiner Miniminizwergenkochecke nicht ausprobieren können.

Und was hat das jetzt alles mit mir zu tun? Naja, heute ist mein Namenstag. Mit dem Leben der hl. Hedwig verbindet mich sonst nicht viel. Wie viele Familien in Deutschland haben wir wohl unsere Wurzeln irgendwo im Osten. Danzig, das Grenzgebiet Österreich/Slowakei, eventuell irgendwo in Böhmen, aber das ist schon ungesichert. Schlesien…wüsste ich jetzt nicht, ausschließen kann man nichts. Allerdings hat die Hedwigskathedrale in Berlin eine prominente Rolle in meinem Leben gespielt. Da war nämlich, bei meiner Konversion, die Sakramentszulassung und ein netter Empfang mit dem Kardinal.

Als ich getauft wurde, was ja eine evangelische Taufe war, hatte niemand die hl. Hedwig auf dem Schirm. Ich wage einfach mal trotzdem die Behauptung, dass sie für mich zuständig ist.  Also: hl. Hedwig, bitte für mich!

P.S.: Das ökumenische Heiligenlexikon kennt eine Wetterregel, die lautet: An Hedwig bricht der Wetterlauf, dann hört das gute Wetter auf. Mal davon abgesehen, dass es schon die letzen Tage nicht so prall war: stimmt. Draußen ist es kalt, grau, verregnet, windig, bäh. Ich hätt jetzt gern ne Schachtel voller Hedwigssohlen und jemanden, der mir nen Earl Grey macht.

Ok ok. Ich geh nachher zum Edeka, kauf Kekse und mach mir den Earl Grey selbst.

Und dann lese ich vielleicht noch ein bißchen was über die Hl. Hedwig. Ich hab so ein entzückendes, uraltes Buch vom Flohmarkt, was vor vielen Jahrzehnten mal ein Bub zur ersten hl. Kommunion geschenkt bekam… Zu jedem Tag gibts nen Heiligen. Und ich hab noch einen Roman über die hl. Hedwig, da könnte ich auch nochmal reinschauen.