Monatsarchiv: Mai 2010

Priesterweihe in Münster- und ein Vorschlag

Gestern, am Pfingstsonntag, wurden in einem Pontifikalamt am Nachmittag zwei Diakone zu Priestern geweiht- ein dritter wird seine Priesterweihe in Rom empfangen.  Vor Beginn des Pontifikalamtes wurden die Gläubigen darauf hingewiesen, daß dies die geringste Anzahl an Neupriestern im Bistum bisher sei, und die Dringlichkeit der Situation wurde für mich deutlich, weil man mehrfach intensiv um das Gebet für Berufungen bat. Aber jetzt ist erstmal die Freude über zwei, beziehungsweise im Oktober dann drei Neupriester angesagt.

Vorgestellt werden sie hier: Stefan Schürmeyer, Timo Läken, und hier der Kandidat, der, so Gott will, im Oktober in Rom geweiht werden wird, Philip Peters.

Hier gibts ein Interview mit Regens Andreas Tapken, und hier allgemein einen Bericht über die Priesterweihe gestern.

Ja, alles von derselben Seite, bin jetzt etwas suchfaul.

Vorschlag meinerseits: gerade heute, wo alle Welt gegen die katholische Kirche schießt, Zölibat als schwere Verirrung gilt und manche den Eindruck erwecken, das Priestertum oder gleich die ganze Kirche abschaffen zu wollen, ist es sicher kein leichter weg, den junge und nicht mehr ganz so junge Männer vor sich haben, wenn sie die Berufung zum Priester spüren.  Wer jemanden kennt, der sich mit dem Gedanken trägt oder vielleicht schon Seminarist ist (oder frei studiert, aber später ins Seminar will), oder vielleicht jemand, der womöglich Ordenspriester werden möchte- adoptiert den doch einfach. Will sagen: wer das nicht schon tut, möge einfach für denjenigen beten. Ist ja keine große Sache, muß niemand wissen, der Aufwand ist kaum der Rede wert, und unser Gebet können die Jungs mit Sicherheit gut gebrauchen. Wenn man niemanden kennt, von dessen Berufung man weiß, dann betet man halt um Berufungen. Das ist sowieso immer gut und sinnvoll. Und/oder für einen Priester, den man kennt.

Und wer mag, kann dasselbe ja auch für Leute tun, die sich mit dem Gedanken an einen Eintritt ins Kloster oder ein Säkularinstitut tragen.

Und, an die Eltern unter den Lesern…früher gabs durchaus Leute, die Gott gebeten haben, eines oder mehrerer ihrer Kinder zu berufen…Vielleicht manchmal aus nicht ganz uneigennützigen Motiven, mag sein, aber eben auch, weil sie wussten, daß die Kirche Priester und Ordensleute braucht! Also, wie wärs?

Und, weil Pfingstmontag ist, noch ein schönes Bild:

Aus dem Ingeborg-Psalter, gefunden bei wiki-commons, wie eigentlich alle Bildchen hier.

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Ich habs ja immer gesagt…

…aber auf dem Blog „Sankt Irenäus, bitte für uns“ fasst Blogger Marcus sehr schön und vor allem mit sehr viel anständigerer Wortwahl als ich vermag einige Gedanken zum Mißbrauchsskandal und Frau Leutheusser-Schnarrenberger zusammen…Dasselbe Spielchen könnte man noch mit Claudia Roth bzw. den Grünen machen. Danny le Rouge, und so. Und Humanistische Union. Und komische Gesetzesvorhaben.

Gut, zum sehr lesenswerten Post „Die schallende Ohrfeige die niemand im Rauschen des Blätterwalds hört gehts hier lang (einfach klicken).

Gesegnetes Pfingstfest!

Anlässlich des Pfingstfestes gibts hier ein bißchen schöne Musik, und was für die Augen.
In der Messe war ich noch nicht. Noch schwanke ich zwischen dem Pontifikalamt mit Priesterweihe am Nachmittag oder einer „normalen“ Pfingstmesse am Abend. Zum Pontifikalamt mit Priesterweihe müsste ich mir entweder einen Klappstuhl mitbringen oder sehr zeitig da sein und mir vielleicht ein passendes Buch (also eher kein Krimi sondern was geistliches) mitnehmen. War aber noch nie bei einer Priesterweihe, also neige ich eher zu dieser Variante. Das mit dem Klappstuhl ist kein Witz, hier kommen die Leute wirklich ab ner halben Stunde vor Beginn mit Klappstuhl- oder müssen halt stehen. Weiß nicht ob das andernorts auch so ist.

Nun gut. Musik: Veni Creator Spiritus (was auch sonst) von Niccolò Jommelli:

Und jetzt nochmal: ein gesegnetes Pfingstfest Euch allen!

Steve Jobs gegen Porno

Steve Jobs, CEO of Apple Computers, says his company will not be a party to the pornography industry and hopes that the iPad and iPhone revolution will help lead to a porn-free world.

Es gab dann wohl einen kleinen Emailaustausch zwischen einem Online-Journalisten, Ryan Tate, und Steve Jobs. Tate warf Jobs dabei vor, iPad und iPhone hätten nichts revolutionäres (bezieht sich auf die Werbung für diese Produkte), weil Revolutionen etwas mit Freiheit zu tun hätten (Naja, je nach Revolution auch eher mit dem Gegenteil, und ziemlich vielen Toten…aber das haben weder Tate noch Jobs gesagt), und Apples Firmenpolitik, keine Apps für iPad und iPhone zuzulassen, die pornographisch wären, hätte nichts mit Freiheit zu tun. Sprich, Tate wirft Jobs Bevormundung vor. Und dann die schöne Antwort von Jobs, wieso genau dieses nicht zulassen von Porno-Apps eben doch etwas mit Freiheit zu tun habe:

“Yep, freedom from programs that steal your private data. Freedom from programs that trash your battery. Freedom from porn. Yep, freedom,” responded Jobs. “The times they are a changin’, and some traditional PC folks feel like their world is slipping away. It is.”

Es gibt übrigens ein Konkurrenzprodukt von Google, und da gibts pornographische Apps für, oder es soll sie in Zukunft geben. Jobs hat freundlich darauf hingewiesen, daß man ja auch eines dieser Konkurrenzprodukte nutzen kann, wenn man unbedingt auf einem mobilen Kommunikationsgerät moralisch fragwürdige Inhalte konsumieren möchte.

Tate hat dann nochmal klargemacht, daß Pornos eigentlich doch voll ok sind, und Jobs kontert das dann wunderbar. Also, ich würd sagen, das Duell hat Jobs gewonnen

“I don’t want ‘freedom from porn.’ Porn is just fine! And I think my wife would agree,” fired back Tate – who later said he regretted mentioning his wife.

Jobs shot back, “You might care more about porn when you have kids.”

Quelle:
Jobs Says iPad Revolution Means ‘Freedom from Porn’.

Natürlich ist es nicht so, daß man per iPad oder iPhone gar keinen Zugriff auf zweifelhafte Inhalte hat, das ginge schon rein technisch gar nicht. Allerdings ist es schon bemerkenswert, daß Apple sich potentiell ziemlich hohe Einnahmen entgehen lässt, indem sie in ihrem App-Store keine entsprechenden Anwendungen anbieten möchten. Mit Pornographie kann man ein Schweinegeld verdienen, darauf verzichtet nicht jedes Unternehmen…Wollen wir mal hoffen, daß Apple nicht doch irgendwann einknickt. Ich kann mir zwar in absehbarer Zeit nichts von Apple leisten, aber das gibt nen dicken fetten Bonuspunkt.

Die katholischen Verbände in Zeiten der Bewährung…

…ein Artikel aus der „disputa“- Reihe des Vatican Magazins (Lesetipp. Gibts im guten Bahnhofsbuchhandel. Allein der Untertitel „Schönheit und Drama der Weltkirche“ gibt dicke Pluspunkte!).

Lesens- und bedenkenswert. Achtung, es handelt sich um ein PDF.

Heilige des Tages- Ankündigung und: hl. Rita von Cascia

Ab und an werde ich hier kurz daran erinnern, wessen Gedenktag an einem gegebenen Tag ist.  Vielleicht schreib ich manchmal bißchen mehr zu einem Heiligen oder einer Heiligen, manchmal gibts nur ein oder zwei oder drei Bildchen. Und ja, ich mag Andachtsbildchen und Darstellungen, die für die meisten einfach nur Kitsch sind. In Maßen zumindest.

Heute: die hl. Rita von Cascia.

Hab sie über die Jahre ein bißchen vergessen, damit hatte ich durchaus mal einen Draht zu ihr. So mit 12 oder 13, also noch vor der Konfirmation, wollte ich ja eigentlich schon den Schritt der Konversion tun. Ich hab einen Brief an meine Eltern geschrieben und das ganze zu erklären versucht- und mich dann doch nicht getraut. Den Brief habe ich leider nicht mehr. Was ich noch weiß: mich hat damals die hl. Rita ziemlich fasziniert. Schon als Kind war sie sehr fromm, hat, ohne das Wissen ihrer Eltern zum Teil recht extreme Bußübungen veranstaltet (das ist jetzt nicht so meins), und wollte dann unbedingt ins Kloster. Ihre Eltern fanden das nicht so gut und haben sie dann relativ zügig verheiratet. Der Mann stellte sich leider als gewalttätiger und beleidigender Zeitgenosse heraus, die hl. Rita hat Vermittlungsversuche ebenso abgelehnt wie sie es abgelehnt hat, sich auf sein Niveau zu begeben, und nach 18 Jahren hat ihr Mann sich dann zum Guten verändert und sie um Verzeihung gebeten, für all das Schreckliche, daß er ihr angetan hat. Das ungewohnte Glück währte dann nicht lange, der Mann wurde ermordet. Rita wollte allerdings nicht, daß es noch mehr Tote gibt, und gewährte dem Mörder Asyl. Als ihre Söhne Blutrache schworen, hat sie darum gebetet, daß der Herr sie lieber zu sich holen möge, bevor sie die Todsünde eines Mordes begingen. Das ist dann auch so passiert. Sie wollte dann ins Kloster, wurde mehrmals abgelehnt, da sie Witwe und ganz offensichtlich keine Jungfrau war, durfte dann letztlich nach einer Vision doch, war auch im Kloster sehr der Buße zugetan, kümmerte sich um die Krankenpflege und die Betreuung Sterbender und wurde von einem Dorn der Dornenkrone stigmatisiert. Vor ihrem Tod wollte sie nochmal eine Rose aus dem Garten ihrer Eltern- mitten im Winter- und es wurde tatsächlich eine Rose gefunden. Daher kommen die Rosen der hl. Rita. Sie starb, und ihr Leichnam blieb unverwest.

Also eine Heiligenlegende mit allem drum und dran, als ich dann letztlich 10 Jahre später konvertierte, war sie nicht mehr in der engere Auswahl, aus verschiedenen Gründen, aber eine gewisse Sympathie hat sich gehalten. Außerdem hat sie ein interessantes Patronat: sie wird gerne in „aussichtslosen Anliegen“ angerufen, und besonders in Italien sehr verehrt (und in Italien hab ich mich ja gerade frisch verliebt. Nicht in einen Italiener, sondern in das Land).

Eine weniger dramatische Version gibts übrigens hier, auf den Seiten der Ritaschwestern. Gefällt mir natürlich besser, und realistischer klingt das auch.  Aber welche Version auch immer stimmt: eine wichtige und große Heilige ist sie allemal.

Dem Aufdruck auf dieser Karte kann man sich nur anschließen: Heilige Rita, du Helferin in verzweifelten, aussichtslosen Anliegen, bitte für uns!

Diverses

Den heutigen Tag hab ich entgegen meiner ursprünglichen Planung nicht mit dem Aufräumen meiner Miniwohnung, sondern mit dem Rumgebastel an meinem Blog verbracht. Ich hab dann mal die Optik ein bißchen geändert, mit dem Header bin ich noch nicht ganz glücklich. Erstens ist durch den Bildausschnitt so wahnsinnig viel von diesem eigentlich sehr schönen Bild weg, zweitens passt das Schriftgrün nicht zu dem herrlichen Blau im Header, und drittens benutze ich hier soviele (angedeutete) Kraftausdrücke, daß es mir ein bißchen peinlich ist, wenn die Muttergottes und der Erzengel Gabriel da so direkt drüberschauen. Mmh.

Kann also sein, daß ich den noch ändere.

Hier ist jedenfalls mal das Bild in groß und unbeschnitten. Die Verkündigung von Michail Wassiljewitsch Nesterow:

Ansonsten hab ich nochwas fertig bekommen. Naja, fast. Und zwar meine neue DSA-Heldin.

Wer nicht weiß, was DSA ist: ein Pen& Paper-Rollenspiel. Wer nicht weiß, was DSA ist, kann mit der Erklärung allerdings vermutlich auch nicht viel anfangen. Mmh. Es ist also ein Spiel ohne Spielbrett und ohne Computer, das sich im wesentlichen in der Phantasie der Mitspieler abspielt. Es gibt eine detailliert ausgearbeitete Welt, Aventurien, mit verschiedenen Kulturen, Menschen, Zwergen, Elfen, Orks, ein paar Drachen und Dämonen und so weiter, es gibt alle Klimazonen und das ganze ist vom kulturellen Niveau irgendwo zwischen Spätantike und früher Renaissance angesiedelt.  Man hat ein paar Zettel, auf denen alle nötigen Details über die Person aufgeschrieben sind, die man verkörpert, und man hat ein paar Würfel. Die braucht man, um festzustellen, ob man beim Versuch, einen Angreifer umzuhauen oder über rutschige Steine zu balancieren, um das andere Ufer des Gebirgsbaches zu erreichen, Erfolg hat oder nicht. Zum Beispiel. Man hat dann also im Normalfall drei zwanzigseitige Würfel und einen normalen, sechsseitigen.  Man kann sich auch den entsprechenden wikipedia-Artikel durchlesen. Für solche Themen ist wiki brauchbar. Das ganze spielt man in einer Gruppe, die sinnvollerweise aus minimalst drei, maximal…mmh, 6-8 Leuten bestehen sollte (es gibt vielleicht auch größere Runden, aber ob das noch sinnvoll ist?), wovon einer der Meister bzw Spielleiter ist- Märchenonkel, Schiedsrichter und Halbgott in einem.  Je nach Runde kann man das total bierernst betreiben, oder, und das ist mir am liebsten, man begreift es einfach als nettes Hobby, und wenn man mal ne Viertelstunde plaudert statt die Handlung weiterzutreiben geht die Welt nicht unter. Sinnvoll ist es, das ganze in gemütlicher Atmosphäre zu spielen und mit genug Essen und Trinken sollte man auch aufwarten können.

Die Gute ist eine adlige Bornländerin (think feudales Russland, da ist das Bornland, speziell die Region Sewerien, sehr nahe dran, inklusive Hörigen, strengen Wintern, Alkohol und Melancholie), Botenreiterin (ja, macht auch für bornische Adlige Sinn, da kann man adlig und arm sein, von irgendwas muss sie ja leben), und 17 Jahre jung. Heißen tut sie Yolde Travieschka Timerlan-Luminowa von der Bienenweide (wobei sie zweiten Vornamen und je nach Situation einen Teil der Nachnamen meist weglassen wird, und das „von der Bienenweide“ ist eher, um Verwechslungen mit einem anderen Zweig der Familie vorzubeugen… Sich in ner finsteren Kaschemme so vorzustellen könnte ne blöde Idee sein). Wer DSA spielt, merkt vielleicht, daß „Yolde“ und „Timerlan“ eher nicht so ganz bornländisch sind, aber das erklärt sich durch die Familiengeschichte. Ich weiß schon, wie sie aussieht, was sie für Habseligkeiten hat, sie hat ein Pferd (das noch nen Namen braucht) und Talente usw stehen auch fest. Was noch fehlt sind die Details: wo genau aus dem Bornland kommt sie her, und ne vernünftige Backgroundgeschichte braucht sie auch noch. Aber heute Abend ist noch Zeit dafür, also: Butter bei die Fische!

Ja, ich bin schon ein ziemlicher Nerd.

Frau Käßmann und die Ökumene

Vielen scheint es, als wäre die EKD der Ökumene mehr zugetan als die katholische Kirche in Deutschland. Gut, man muß da ein paar Details ausblenden, aber hey, verwirr mich doch bitte nicht mit Fakten, oder?

Frau Käßmann antwortete dann auch auf die Frage, was sie für Erwartungen hinsichtlich der Ökumene an Papst Benedikt habe damit, daß sie von ihm nichts erwarte. Gut, schön daß sie da so ehrlich war, aber ein bißchen unverschämt finde ich das ausgerechnet diesem Mann gegenüber schon.

Ok, dann ist da also Frau Käßmann auf dem ökumenischen Kirchentag. Und darf in einer katholischen Kirche sprechen. Ich glaube, es war sogar eine Predigt.

Und jetzt kommt der Affront. Sie steht da also in einer katholischen Kirche, mit einem Marienpatrozinium (Liebfrauendom, nebenbei war das genau der Dom, in der Joseph Ratzinger 1977 zum Erzbischof von München und Freising geweiht wurde…), im Mai,  also dem Monat, der besonders der Verehrung der Gottesmutter gewidmet ist, und erzählt was von der Pille als Gottesgeschenk.

Das ist nicht nur ein kleiner Affront.

Sie weiß, wie die katholische Position zur Pille ist (und ich bin mir irgendwie sicher, daß auch die diversen protestantischen kirchlichen Gemeinschaften irgendwann mal was gegen Verhütung, Abtreibung und vorehelichen Sex hatten. Lang, lang ists her…aber dadurch ist es nicht weniger wahr).  Sie kennt mit Sicherheit auch, wie das lt. Bibel damals war, bei Maria…da kam ein Engel, und fragte, und sie sagte ihr fiat, Lk 1,38:  Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast…und sie empfing vom Heiligen Geist.

Und hier postuliert Frau Käßmann die technisch gesteuerte Empfängnis. Nicht mehr „mir geschehe nach deinem Wort“ (um mal eine sprachlich buntere Übersetzung zu verwenden), sondern mir geschehe, was ich will, wann ich will, wie ich will. Nota bene: Gott hat sie nicht gezwungen, Er hat Maria gefragt. Maria hat sich angehört, was Gott will, und hat dann zugestimmt, Seinem Willen bzw Plan zu folgen.  Das, was Frau Käßmann postuliert läuft aber auf ein „mir doch egal, was Gott will“ hinaus. Irgendwie erinnert mich das an diese alte Geschichte, mit dem Garten und der Schlange…was war da doch gleich?

Mal ganz davon abgesehen, daß auch von der katholischen Position zur Pille abgesehen es höchst problematisch ist, die Pille als Geschenk Gottes zu sehen, und ich gestehe, daß ich das durchaus aus eigener Anschauung sagen kann, zumindestens was einige Aspekte angeht. Welche genau verrat ich nicht, geht niemanden was an.

Sie hat massive Nebenwirkungen, Gewichtszunahme ist da noch das harmloseste. Kann auch gerne mal Richtung totaler Libidoverlust, Antriebslosigkeit, Depressionen gehen. Totaler Libidoverlust? Ja, super, die Frau kann dann zwar theoretisch immer, ohne das sie eine Schwangerschaft riskiert, sie will bloß leider nicht. Sie soll aber immer wollen.

Heutige Pillen sind meist extrem niedrig dosiert. Das steigert das Risiko von „Unfällen“. Unfall kann heißen: es kommt zu einem Eisprung und Befruchtung, und die Nidationshemmung verhindert dann eine Schwangerschaft. Sprich: Frühabtreibung. Oder die Nidationshemmung versagt, und es kommt zu einer Schwangerschaft. In meinem näheren Umfeld weiß ich von einem Kind, das exakt so „zustande gekommen ist“- und Gott sei Dank hat die Mutter sich dafür entschieden, das Kind zu bekommen. Wird im Herbst eingeschult. In vielen anderen Fällen wird dann allerdings abgetrieben. Wer Englisch/Amerikanisch versteht, möge sich mal bitte diesen kurzen Trailer anschauen. Wenn das, was da am Anfang gesagt wird, auch nur ansatzweise stimmt, dann sind ein paar Leute noch böser, als ich ohnehin dachte.

Wer das nicht versteht:  ganz am Anfang ist eine Frau zu sehen, die früher für Planned Parenthood gearbeitet hat. Lt ihrer Aussage hat Planned Parenthood, um mehr Abtreibungen zu verkaufen einen Plan entwickelt: Mädchen die natürliche Scheu sexuellen Dingen gegenüber nehmen, von der Familie und ihren Werten entfremden, zu ihren „Sex-Experten“ und Ansprechpartnern werden, entsprechende Kurse und Unterrichtsangebote (sex education), niedrig dosierte Pillen verschreiben die leicht mal versagen, gerade wenn ein schusseliger Teen die ab und zu mal vergisst, und ihnen dann Abtreibungen anbieten. Mit dem Ziel, von jedem 13-19 jährigen Mädchen mehrere (!) Abtreibungen zu bekommen. Ganz ehrlich? Das sind nicht die bösen Amis. So ganz wesentlich anders läufts hier doch auch nicht. Wobei bei uns vielleicht weniger der finanzielle Aspekt und mehr eine ideologische Komponente im Vordergrund steht. Dem Kind, das abgetrieben wird, ist es aber vermutlich egal, ob es im Rahmen von Gewinnsucht oder im Rahmen einer komischen feministischen Agenda abgetrieben wird…

So. Die Pille hat also massive gesundheitliche (ach ja, von teils tödlichen Thrombosen bei 14 jährigen hab ich ja noch gar nix gesagt) und psychische Auswirkungen, greift massivst in Beziehungen/ das Verhältnis von einem Mann zu einer Frau ein (egal ob verheiratet oder nicht, die Mechanismen nehmen sich da glaub ich nix), wiegt Frauen in falscher Sicherheit- und, seien wir mal ehrlich, sorgt auch für ein wesentlich enthemmteres Sexualleben, mit allen negativen gesellschaftlichen, gesundheitlichen und psychischen Folgen. Manche nennen das sexuelle Befreiung. Es mag Leute geben, die damit scheinbar gut zu Rande kommen. Andere macht es krank. Ich halte Depressionen für eine letztlich gesunde Reaktion darauf, daß man geliebt werden will und lieben will und es dann aber in der Realität immer um Sex geht. Dann gibts da noch die demographische Entwicklung, und ja, auch die hat was mit der Pille zu tun (heißt ja auch „Pillenknick“)

Und das ist jetzt also ein Gottesgeschenk?

Nee, Frau Käßmann, wenn, dann ist das ein Geschenk von jemand ganz anderem.

Und wenn sie schon diese schwachsinnige Behauptung tätigt- wieso dann in diesem Umfeld? Sie ist nicht dumm. Sie weiß, was für eine Provokation das ist. So viel zum Thema Ökumene.

Der relevante Abschnitt, leider nur mit nem Foto von Frau Käßmann, das offenbar aus der Advents- oder Weihnachtszeit stammt (Herrnhuter Stern im Hintergrund), kommt hier:

Vielleicht kann ihr jemand ja mal die Theologie des Leibes erklären, dann würde sie vielleicht beginnen zu ahnen, wieso das kein Gottesgeschenk sein KANN.

WTF???

Menno, manchmal beneide ich die Amerikaner wirklich um ihre kurzen, knappen, völlig eindeutigen Möglichkeiten, entsetztes Erstaunen auszudrücken, auch wenn das böse f-word vorkommt. Für den Fall daß hier noch korrumpierbare Leute mitlesen hab ich beschlossen, es nicht aufzulösen. Wer nicht weiß, wofür wtf steht, möge es nicht googeln, sondern sich seine linguistische Unschuld bewahren.

So. Was war denn jetzt eigentlich los? Nichts weiter, nur war ich heute früh, wie des öfteren, bei einer Vorlesung im Rahmen meines Studiums. Das Thema der Vorlesung ist sehr interessant, der Dozent ist zwar immer völlig anderer Meinung als ich und hat ein paar komische Ansichten,  macht seine Sache aber ganz gut. Heute wurde er vertreten, von einem Mann, der, wie mir eine Kommilitonin erklärte, ebenfalls Priester sei und eben auch Dozent. Es ging um den deutschen Katholizismus im Vormärz, naja, und dann im Schweinsgallopp bis kurz vors I. Vatikanische Konzil.

Der Dozent ließ erst durchblicken, daß er dem Deutschkatholizismus Ronges durchaus positives abgewinnen könne (alles so schön liberal hier…ächz). Dann gings um die Entstehung des „katholischen Milieus“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.  Sinngemäß meinte er, daß dies eines der spannendsten Themen der Kirchengeschichte der Neuzeit wäre (bis hierhin gehe ich d’accord), weil da eine Form des Katholizismus entstanden sei, die es vorher so niemals gegeben habe (kann sein), und, ich zitiere wörtlich: “ inschallah niemals wieder geben wird“.

Inschallah? WTF???

Selbst wenn sich meine Kommilitonin vertan hat und er kein Priester ist- er doziert an der katholisch-theologischen Fakultät. Es sind schon Christen ermordet worden, weil ein paar Muslime der Meinung waren, das Wort Allah dürfe nur von Muslimen benutzt werden (auch wenns formal nur „Gott“ heißt). Im angeblich ach so toleranten Malaysia.

Davon abgesehen offenbarte er dann ein reichlich schwarzmalerisches Bild diesen katholischen Milieus. Ja, klar, damals wurden die Leute auf den Dörfern mit vorgehaltener Mistgabel zum Angelusbeten gezwungen, nüchternen westfälischen Bauern wurde die Herz-Jesu-Verehrung aufgenötigt, und in einem katholischen Turnverein zu sein ist auch ganz arg schlimm.  Sicher, früher war nicht alles besser, aber auch vom „inschallah“ mal abgesehen hat mich die Aussage schockiert.

Sich erst wohlwollend zu einem Verein äußern, der Ohrenbeichte und Zölibat abschaffte, die Sakramente mal eben auf zwei zusammenstrich, einen stark antirömischen Reflex hatte und das Hohelied der Aufklärung sang, ungeachtet der damit ja durchaus verbundenen Schattenseiten, sprich: de facto ein protestantisierter, deutschtümelnder Verein  (tja….und am Ende stand die Einigung mit den protestantischen „Lichtfreunden“ und1859  das Aufgehen im Bund freier religiöser Gemeinden…honi soit qui mal y pense…), aber dann Abscheu äußern, wenn es ums katholische Milieu geht?

Danke, dann stehe ich im Zweifelsfall lieber auf Seiten der bösen „Ultramontanen“. Dann kann ich ganz „voraufgeklärt“ zur Fronleichnamsprozession und mich freuen, wenns irgendwo noch das Angelusläuten gibt…

Turiner Grabtuch 2010- eine spontane Reise. Mit Wunder.

Seit ein paar Wochen bin ich regelmässig bei der „Weggemeinschaft“, die sich unter der Leitung eines Domkapitulars regelmässig trifft- alle zwei Wochen zur hl. Messe, ansonsten gibt es verschiedene Kreise, Bibelgespräche, Glaubenskurs und Essen mit Bedürftigen. Als ich das zweite Mal dort bei der Messe war, wurde der Domkapitular, der sonst die Messe zelebriert, von einem recht jungen Priester vertreten, der Bischofskaplan ist (ich glaube, so heißt das…aber ganz sicher bin ich mir nicht)- und der erkennbar völlig begeistert von seinem Aufenthalt in Turin war und mehrfach vorschlug, es könnten ja vielleicht noch einige von uns kurzfristig dorthin fahren, schließlich kann man das Grabtuch nur recht selten sehen. Er würde auch sein Auto zu Verfügung stellen. Nach der Messe sitzt man noch zusammen und isst und trinkt etwas, und ein kleines Grüppchen an meinem Tisch überlegte dann, ob man denn realistisch nach Turin fahren könne. Benzinkosten, Maut, die Unterkunftsfrage…es wurde überschlagen und errechnet, daß wir rein für die Fahrtkosten über 300 Euro bräuchten, eher 400 (es gibt ja immer irgendwelche unvorhergesehenen Dinge, welche die Kosten in die Höhe treiben). Auch wenn man das teilt, hat man das Geld als Student nicht unbedingt spontan übrig. Das Projekt wurde mehr oder weniger aufgegeben, aber St. meinte noch, wir sollten es mal in Hinterkopf behalten, mal schauen, ob sich nicht noch eine Möglichkeit ergibt.

Tja, und dann passierte ein mittleres Wunder. Ein paar Tage darauf war ich mit P. Kaffee trinken, und während wir da gemütlich unseren Kuchen verspeisten, erzählte er, sie würden übrigens wirklich nach Turin fahren. Hat mich sehr gefreut, ich war an dem Planungsgespräch eher passiv beteiligt und bin nicht davon ausgegangen, ich könne überhaupt mitfahren. Ich hab dann allerdings erzählt bekommen, wie denn diese Fahrt überhaupt möglich wurde. St. hatte einen Anruf einer Bekannten, einer älteren Dame, bekommen, die ihn bat, doch am nächsten Tag vorbeizukommen, sie hätte was für ihn. Daß es um Geld ging war dann schon klar, aber daß er am nächsten Tag 500 Euro in der Hand hielt…Das war genau die Summe, die eine kleine studentische Gruppe braucht, wenn sie mit dem Auto nach Turin will und eine Nacht bei Schwestern übernachten kann. Es schaute ganz so aus, als wollte der Herr uns diese Reise ermöglichen.

Montag, während wir im Rahmen der Weggemeinschaft am Kochen und Gemüse schnippeln waren, fragte St. dann, ob ich denn nicht auch mitfahren wolle, ich wäre schließlich bei dem Gespräch am Anfang dabei gewesen, und nach Turin, zum Grabtuch…klar habe ich ja gesagt. Am nächsten Tag um sieben wollten wir dann alle zur Messe in den Dom, dann im Uni-Bistro frühstücken, und dann auf Richtung Italien. War eine kurze Nacht, aber es lief alles wie geplant. Auch die Fahrt verlief reibungslos, die Stimmung war gut- und auch das Schweigen, das eintrat, als die Landschaft in der Schweiz immer spektakulärer wurde, tat dem keinen Abbruch- im Gegenteil. Noch schöner als die Schweizer Alpen fand ich persönlich dann allerdings das Aostatal und die Fahrt auf Turin zu. Den etwas eigenwilligen Fahrstil vieler Italiener hat unser Fahrer dann auch gut weggesteckt, und dank Navi haben wir auch das kleine Franziskanerinnenkloster problemlos gefunden.

Die Schwestern hatten zwar mit vier Jungs statt mit drei Jungs und zwei Mädels gerechnet, war aber kein Problem, wir hatten dann ein wunderbares Sechsbettzimmer, wurden rührend betreut (von uns konnte keiner wirklich italienisch, aber die Verständigung hat auch mit unseren paar Brocken, Gesten und nem herzlichen Lächeln gut funktioniert. Und, was macht man, wenn man schonmal in Italien ist und noch kein Abendbrot hatte? Richtig, Pizza essen gehen. Und Büffelmozzarella und Schinken als Vorspeise, nen schönen Wein dazu, und Zitronensorbet als Nachtisch. Wieso heißt es eigentlich „Leben wie Gott in Frankreich“? Mit Italien würde der Spruch genauso gut funktionieren.

Wieder eine kurze Nacht- unsere Anmeldung fürs Grabtuch war für 7:45, und wenn man noch mit dem Bus in die Stadt muss, eine Stunde früher da sein soll und so weiter…muß man halt früh raus. Es gab dann ein kleines italienisches Frühstück (ich glaub, es geht dabei nur darum, möglichst starken Kaffee zu sich zu nehmen, die Kekse dazu dienen vermutlich nur dazu, daß man von dem starken Kaffee nicht plötzlich kollabiert…) und dann gings raus in den schon seit Tagen strömenden Regen. In der Stadt brachte dann eine in Turin lebende Dame aus Sibirien uns direkt bis zum richtigen Eingang- sehr nett, war für sie ein Umweg, und kein kleiner.

Dann hieß es anstehen, allerdings nicht sehr lange (tagsüber sieht das anders aus). Bevor man in die Kirche kommt und das Tuch sieht, wird ein kurzer Film gezeigt, dann gehts weiter, und – dann steht man plötzlich in der Kirche, sieht das Grabtuch schon und wenn die Gruppe vor einem geht, steht man viel dichter davor, als ich gedacht hätte. Ungefähr 4 Minuten. Was ich da gedacht und gefühlt habe, kann ich noch gar nicht wirklich formulieren. Es betet sich jedenfalls sehr gut da, vor dem Grabtuch, und es ist eine der beeindruckendsten Glaubenserfahrungen meines Lebens. Gut, ob das Grabtuch nun wirklich das Grabtuch Jesu war wird man wohl bis auf weiteres nicht eindeutig beweisen können (ich finde, es spricht vieles dafür)- aber es fühlte sich schon irre an, vor einer Art Foto des Herrn zu stehen. Es täte meinem Glauben keinen Abbruch, würde nachgewiesen, daß das Grabtuch nicht echt sein kann- aber bis auf weiteres stärkt dieser Moment, wo ich davor stand, meinen Glauben. Es stärkt und erschüttert einen gleichermaßen- mich zumindest.
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Es fühlt sich dann merkwürdig an, plötzlich wieder draußen zu stehen, in all dem Trubel. Man hat dann noch Souvenirs gekauft, nen Cappuccino getrunken, wir sind im weiterhin strömenden Regen ein bißchen durch die Stadt- ein paar Leute sagten, ich solle nicht enttäuscht sein, Turin wäre eine eher häßliche Industriestadt. Wenn Turin eine häßliche Industriestadt ist, weiß ich nicht, wie ich reagiere, wenn ich in eine wirklich schöne italienische Stadt komme. Mir hats gefallen.

Wir hatten noch den Tipp bekommen, in einem Vorort Turins in eine Ausstellung zu gehen, „Gesù. Il corpo, il volto nell’arte“. Sehr empfehlenswert, der Eintritt ist nicht ganz günstig, aber es lohnt sich. Ich war jedenfalls hin und weg, als ich plötzlich unvermittelt vor meinem Lieblingsbild von Fra Angelico stand. Gut konzipiert, und die Kommentare zu den Bildern wurden offenbar von Leuten mit Ahnung verfasst. Wer kann- auf jeden Fall hingehen!
Eigentlich hatten wir noch überlegt, zum Grab des hl Don Bosco zu fahren, aber das wäre ein ziemlicher Umweg geworden. Da es, wenig überraschend, immer noch wie aus Eimern goß, und es in diesem Vorort auf den ersten Blick nichts einladendes gab, beschlossen wir, unsere letzte italienische Mahlzeit vielleicht in einem der Alpendörfer einzunehmen. Außerdem hatten die Schwestern uns mit üppigem Proviant ausgestattet. Vor der Abfahrt aus dem Kloster hatten wir auch alle noch für wieder trockene Socken und trockenes Schuhwerk gesorgt (sonst wäre der Ausstellungsbesuch wenig erfreulich gewesen), und das wollten wir nicht durch eine Restaurantsuche zu Fuß bei Regen aufs Spiel setzen.

Also gings los Richtung Heimat. Es goß, von dem Bergen strömte das Wasser, der Schönheit der Landschaft tat das Wetter keinen Abbruch. Tja, und dann, als es schon kurvige Straßen bergauf ging und wir den St Bernhard-Tunnel in der Nähe vermuteten fing es plötzlich an zu schneien. Also wurde der Plan, noch was zu essen verworfen, wir wollten schließlich noch über die Alpen. Dann kamen uns die ersten Autos mit 20cm Schnee auf dem Dach entgegen. Es wurde ziemlich ruhig im Auto, wer nicht mit fahren beschäftigt war betete, der Schnee blieb liegen, die Straße wurde immer glatter, und dann gings nicht mehr weiter. A. konnte das Auto noch an die Seite steuern, auf eine kleine Auffahrt, dann schauten wir erstmal anderen Autos und LkWs beim Rutschen zu. P. sollte dann uns beiden Frauen runter ins Hotel bringen- den Plan mussten wir aufgeben. Auf einer glatten Bergstraße bergab zu gehen, während aus beiden Richtungen Autos und LkWs kommen, die leicht mal unkontrolliert ein Stück rutschen ist keine gute Idee.

Da standen wir nun, im Auto fühlen wir uns nur bedingt sicher, draußen war es unter Null Grad und es schneite, wir waren alle nicht dafür angezogen. Mit P. zog ich dann los, um eventuell das Pfarrhaus ausfindig zu machen- das Dorf hat eine sehr schöne Kirche, aber Erkundigungen ergaben, daß der Priester nicht vor Ort wohnt. Immerhin sollte an dem Abend noch Messe sein und ein Priester, der in den Alpen lebt, hat im Gegensatz zu uns vermutlich Winterreifen und Schneeketten. Wir rutschten wieder zum Auto. Bis dahin hatten Räumfahrzeuge die Situation nicht unbedingt verbessert, aber jetzt war langsam genug Salz auf der Straße und der Schnee ging in Regen über, so daß das Auto zwar noch freigeschaufelt werden musste, aber immerhin konnten wir nach ungefähr zwei Stunden weiterfahren. St. meinte noch, es wäre toll, jetzt alle verfügbaren Rosenkränze auszupacken (und zu nutzen), was ich dann auch tat, und wir kamen dann auch gut durch.

Und weil wir alle etwas fertig waren, total durchnässt und verfroren, hab ich dann beschlossen, daß man in solchen Situationen durchaus ein Würstchen essen darf, oder zwei, beim Rosenkranzbeten.

Irgendwann im Schwarzwald waren wir dann auch wieder warm und trocken, und nach einem Aufenthalt im Gasthaus „Zum goldenen M“ schliefen P., M. und ich auf der Rückbank. Kurz vor Münster wachten wir dann wieder auf.

Es war ziemlich anstrengend, innerhalb von zwei Tagen nach Turin und wieder zurück zu fahren (schon für uns Beifahrer)- aber ich glaube, jeder von uns würde das sofort nochmal machen. Es ist auf jeden Fall eine sehr intensive Erfahrung, vor dem Grabtuch zu beten (in der Nähe wurde übrigens auch eine Anbetungskapelle und Beichtgelegenheiten eingerichtet), allein dafür lohnt sich die Mühe. Außerdem hab ich mich in Italien verliebt, P. hat einen sehr passenden Spitznamen verpasst bekommen, und außerdem ist es für mich immer eine ganz wichtige Erfahrung, mit ungefähr gleichaltrigen (obwohl ich die zweitälteste war) Leuten zu tun zu haben, die einen nicht für gestört halten, wenn man nen Rosenkranz dabei hat (oder womöglich betet), die es für selbstverständlich halten, wenigstens kurz zur eucharistischen Anbetung zu gehen, wenn man die Möglichkeit hat, und mit denen man über seinen Glaubensweg reden kann, ohne in irgendwelche komischen Schubladen gesteckt zu werden. Und das Wort „Weggemeinschaft“ hat da nochmal mehr konkreten Inhalt bekommen.

In den nächsten Wochen werden wir wohl oft davon erzählen müssen (oder dürfen), die Schwestern haben uns noch Mitbringsel für „Don Andrea“ und den Bischof mitgegeben, und uns wird das Grabtuch wohl auch noch eine Weile begleiten- das ist nichts, was man mal so eben abhaken kann. Mir fällt es wohl noch eine Weile schwer, die richtigen Worte zu finden. In solchen Momenten kann man ein solches Erlebnis vielleicht wirklich nur „im Herzen bewegen.“