Monatsarchiv: Dezember 2010

Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?

Kürzlich war ich auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Telgte. Trotz der teilweisen Überflutung des Geländes und des daher ziemlich matschigen Untergrundes ein schöner, kurzweiliger Nachmittag.

Eine kurze Begegnung beschäftigt mich aber seither. Ich unterhielt mich dort mit einem Bekannten, wir standen in einer größeren Gruppe von uns unbekannten Leuten, um uns herum Erwachsene, weiter vorne Kinder, irgendwas gab es zu sehen. Wir sprachen gerade vom Glauben an den Weihnachtsmann (und Osterhasen). Irgendwann sagte ich dann sinngemäß, daß ich das schon als Kind recht früh gewusst hätte, daß es sowas wie Weihnachtsmann oder Osterhasen nicht gibt, und daß die Geschenke von den Eltern kommen. Ich hatte kaum den Satz beendet, da drehte sich eine Frau zu mir um, sagte nur leicht pampig, daß hier Kinder wären, die vielleicht noch daran glaubten, und vielleicht könnte man dann auf solche Äußerungen verzichten. Sprachs und stapfte davon.

Ich fühlte mich dann erst nicht so doll, weil natürlich niemand, auch noch öffentlich, gerne zurechtgewiesen wird, egal ob zu Recht oder zu Unrecht. Dann dachte ich auch noch kurz, daß sie ja Recht hätte, und ich diesen Rüffel also verdientermaßen bekommen hätte.

Und später hatte ich immernoch ein dummes Gefühl bei der Erinnerung an diese Situation, allerdings aus völlig anderen Gründen. Wieviele Kinder glauben an Weihnachtsmann, Osterhasen oder die Zahnfee? Keine Ahnung, aber werden schon einige sein. Es gibt aber weder einen Weihnachtsmann, noch einen Osterhasen noch die Zahnfee. Und die Kinder merken das irgendwann oder bekommen es von anderen Kindern (oder so bösen Erwachsenen wie mir) irgendwann erzählt. Tja. Und rumms, ist es weg, das Vertrauen, in das, was die Eltern so sagen. Und Gott? Gibt es Gott? Oder haben die Eltern einem da auch nur was vorgeschwindelt wie beim Weihnachtsmann oder dem Osterhasen?

Vielleicht wäre es sinnvoll, Kindern keinen Bullshit zu erzählen. Auch wenn es noch so süß ist, wenn die Kleinen sich über Osterhasen, Weihnachtsmann, Zahnfee oder meinetwegen den Storch freuen (aber irgendwie hab ich das Gefühl, von dem wird gar nix mehr erzählt).

Erzählt den Kindern vom heiligen Nikolaus, den gibts, und er ist ein ziemlich cooler Heiliger. Meinetwegen auch vom Christkind, auch wenn da vieles bißchen arg kitschig rüberkommt, und ich auch nichts davon halte, Kindern vorzuschwindeln, das Christkind würde Geschenke bringen. Nein, tut es nicht. Gott ist Mensch geworden, genauer: Kind, Säugling, unter armseligen Umständen, um unseretwillen. Und weil wir das feiern, und zu einer Feier Geschenke auch irgendwie dazugehören, schenkt man sich halt was. Aber die Geschenke sind nicht das wichtigste- sonst könnten gerade die Armen Weihnachten gar nicht richtig feiern, und auch “Fest der Familie/Liebe/whatever” ist um einiges zu kurz gesprungen.

Ob die Dame, die sich da so echauffiert hat, ihrem Kind von Gott erzählt? Oder nur vom Weihnachtsmann? Wenn sie ihrem Kind auch von Gott erzählt- was wird passieren, wenn es merkt, daß es den Weihnachtsmann nicht gibt? Auch an der Existenz Gottes zweifeln? Ich könnte dem Kind diese Reaktion nicht verübeln- sie ist naheliegend. Wer einmal lügt…

FSK für Blogs II/ Jugendmedienschutzstaatsvertrag ablehnen!

Wer irgendwas im Internet veröffentlicht, ganz egal ob privat oder kommerziell, und wer einfach gerne im Internet unterwegs ist, möge sich mal bitte folgende Seite anschauen, die beiden Buttons oben für weitere Informationen nicht übersehen, und gegebenenfalls unterschreiben. Ist zwar vermutlich schon gelaufen, aber man weiß ja nie, ob sich nicht doch ein paar Politiker mit cojones finden. Scheint ne Juso-Aktion zu sein- immerhin haben die offenbar ein paar durchaus kompetente Leute da.

Und als nächstes bitte ne Kampagne für einen”Kurs: Internetnutzung und Medienkompetenz I für Politiker _innen (oder was auch immer politisch korrekt ist) NOW”.

Danke.

FSK für Blogs?

Hab ich gerade bei der Online-Ausgabe der Welt gefunden, da gibts sicher besseres: “Ab 16″-Button treibt Blogger auf die Barrikaden.

Sehe ich das falsch, oder wird die Aufgabe der Eltern, nämlich dafür zu sorgen, daß ihre Kinder nur altersgemäße Angebote nutzen können (zumindest weitestgehend), auf die Blogger verschoben?

Ich finde ja schon diverse andere Vorschriften lächerlich bis unzumutbar (theoretisch müsste ich ja wohl als Impressum meine Privatanschrift angeben. Als alleine wohnende Frau. Geht’s noch? Wenn es irgendein Problem gibt, kann man mich gerne kontaktieren, aber ich stelle mich nicht freiwillig als Objekt für Stalker, Spinner oder Katholikenbasher zu Verfügung.) Das mit der Verantwortung für den Inhalt verlinkter Seiten kann auch nur jemandem einfallen, der  von Internet ungefähr soviel Ahnung hat wie ich von…keine Ahnung, Quantenmechanik, Swahili oder der Aufzucht von Erdferkeln.

Im Idealfall ist das mit der Alterskennzeichnung nur wieder eine Regelung, an die sich keiner hält, vermutlich wird es eine Einnahmequelle für den unangenehmeren Teil der Juristenzunft. Es ist eine prima Gelegenheit für noch mehr Bürokratie und Geldmacherei. Ich bin nicht gerne paranoid, das ist meinem Wesen eigentlich fern. Ich gehöre zu den Leuten, die im Zug ihre Sachen am Platz lassen, wenn sie mal Pipi machen gehen, und bei facebook gebe ich deutlich mehr von mir preis als Datenschützer empfehlen. Aber: ich sehe da doch langsam eine Entwicklung, die erstmal harmlos scheint- aber ganz schnell zum Hebel werden kann, um die Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung im Internet massiv zu beschneiden.

Wie seht ihr das?